Nein heißt Nein! Für eine Reform des Sexualstrafrechts

nein heißt nein
Nein!

Ich habe es in meinem Artikel über die Vorfälle in der Silvesternacht bereits angesprochen: Die wenigsten Vergewaltigungen werden in Deutschland angezeigt. Und diesmal habe ich sogar konkrete Zahlen für diese Behauptung (mit Quelle):

Jede 7. Frau erlebt in Deutschland mindestens einmal schwere sexuelle Gewalt. Davon werden etwa 5% – 15% angzeigt, aber nur 8,4% der Täter werden verurteilt.

Wenn man sich dann noch vor Augen führt, wie gering stellenweise das Strafmaß ausfällt, klingt das wie ein Hohn.

Warum werden so wenig Täter angezeigt?

Dafür gibt es viele Gründe.
Es mag daran liegen, dass die meisten sexuellen Übergriffe im häuslichen Umfeld oder im Freundes- und Kollegenkreis stattfinden. Ich kann gut verstehen, wenn eine Frau in einem solchen Fall mit unangenehmen Konsequenzen rechnet und lieber schweigt.
Auch die Hürden, die eine Frau zu bewerkstelligen hat, um eine Vergewaltigung anzuzeigen und die schlechten Erfolgsaussichten sind ein großes Problem.

Nein heißt Nein!

Nach aktuellem Strafrecht reicht es nicht aus, wenn eine Frau Nein sagt und dazu ein bisschen weint. Sie muss sich erkennbar gegen den Geschlechtsverkehr gewehrt haben. Das dürfte in vielen Fällen aber gar nicht so einfach sein.
Denn nach einem ganz seltsamen Männer-Mythos meint eine Frau ja immer „Ja“, wenn sie „Nein“, was vielleicht auf der völlig absurden Annahme fußt, dass Mann es einer Frau „ja nur mal so richtig besorgen muss“.
Manchmal wird auch ganz einfach deswegen sexuelle Gewalt angewandt, weil man es eben kann.
Ich finde es unerträglich, dass heutzutage etwas schönes, wie Sexualität immernoch als Machtinstrument missbraucht wird, und leider auch manchmal von Seiten der Frauen. Aber ich möchte nicht weiter auf solche Fälle eingehen, weil sie in einen niedrigen – wenn auch traurigen und tragischen – Anteil darstellen. Aber auch hier geht es um Macht und Machtmissbrauch.
Aber mit Sicherheit brauchen wir eine Reform des Sexualstrafrechts, damit gewährleistet ist, dass es ein angezeigter und überführter Täter auch bestraft wird. Und ich wünsche mir zudem auch auf den Polizeistationen Routinen, die gewährleisten, dass vergewaltigte Frauen sich überhaupt dort hin trauen.
Die Vorfälle in Köln während der Silvesternacht sind ein passender Anlass, das alles einmal voranzutreiben.

Unterstützen kann man dies, indem man diese Petition auf Change.org unterschreibt und wenn man will, kann man dem Bundesminister für Recht und Verbraucherschutz, Heiko Maas mit einer persönlichen Nachricht taggen.
Und auch, wenn ihr nicht vorhaben solltet, eine Petition zu unterschreiben, dann folgt doch einmal diesem Link. Die Verfasser erklären die Sachverhalte viel besser, als ich es kann.

Ich weiß nicht, ob Petitionen so viel bringen und ob der Heiko alle seine Nachrichten liest.
Aber wenn man gar nichts tut, wird sich erst recht nichts ändern.

Foto: Nein heißt nein! ©frau-sabienes.de
Text: Nein heißt Nein! Für eine Reform des Sexualstrafrechts ©frau-sabienes.de

26 thoughts on “Nein heißt Nein! Für eine Reform des Sexualstrafrechts

  1. Mike sagt:

    Das ist leider genauso sinnbefreit, wie die nutzlosen Schnellschussgesetzgebungsverlangen der zu wählenden Politiker nach solcher Öffentlichkeit. Die Behauptung: „Nach aktuellem Strafrecht reicht es nicht aus, wenn eine Frau Nein sagt und dazu ein bisschen weint. Sie muss sich erkennbar gegen den Geschlechtsverkehr gewehrt haben.“ ist schlicht falsch und basiert offensichtlich auf Nichtwissen. Überlassen Sie das Schreiben über Recht und Gesetz doch lieber jemandem, der sich damit auskennt.

  2. Hallo Sabiene,
    du polemisierst ja ganz hübsch weiter. Was soll das jetzt wieder mit diesem „Denn nach einem ganz seltsamen Männer-Mythos meint eine Frau ja immer „Ja“, wenn sie „Nein“, was vielleicht auf der völlig absurden Annahme fußt, dass Mann es einer Frau „ja nur mal so richtig besorgen muss“. Es mag Kreise geben, in denen so gedacht wird, aber ich kenne das allenfalls aus schlechten Fernsehfilmen.
    Nein heißt Nein – dafür bin ich auch. Aber welches Gesetz soll das überwachen? Es ist ja nie jemand dabei – oder? Es wird also immer Aussage gegen Aussage stehen. „Nach aktuellem Strafrecht reicht es nicht aus, wenn eine Frau Nein sagt und dazu ein bisschen weint“ – was soll denn dieser Satz? So einfach ist das nicht.
    „Aber mit Sicherheit brauchen wir eine Reform des Sexualstrafrechts, damit gewährleistet ist, dass es ein angezeigter und überführter Täter auch bestraft wird.“
    Wenn ein Täter angezeigt und überführt wird, dann wird er auch heute schon bestraft.
    Wobei ich dir Recht gebe ist: „Und ich wünsche mir zudem auch auf den Polizeistationen Routinen, die gewährleisten, dass vergewaltigte Frauen sich überhaupt dort hin trauen.“
    Das ist sicher nach wie vor ein Problem, aber auch das von Frauen überhaupt – das sich „trauen“. Nur, mit einer Gesetzesänderung stärkst du das Selbstbewußtsein nicht.
    Ich halte wenig davon, bei allen Problemen immer gleich auf Polizei und Politik einzuhauen und nach Gesetzesänderungen zu schreien. Es liegt an uns Eltern, unsere Töchter, unsere Kinder zu selbstbewußten Menschen zu erziehen, die sich nicht aus Scham verkriechen.
    Die aktuellen Gewalttaten stehen noch einmal auf einem ganz anderen Blatt. Aber gegen das, was da gerade passiert (ist), würdest du auch mit einem veränderten Sexualstrafrecht nichts erreichen.
    LG – Elke

  3. Sabine sagt:

    @ Mike: trollst Du hier , trollst Du da? Klingt so. Bischen dolle provokativ und nicht hilfreich.

    @ Elke: Du kannst Deine Tochter noch so zu Selbstbewußtsein erzogen haben, es gibt Situationen, da kann sie zum Opfer gemacht werden. Und es gibt reichlich erwachsene Frauen, die sehr selbstbewußt sind und trotzdem sexueller Gewalt ausgesetzt waren. Ich würde den Mund nicht so voll nehmen, Du weißt nie, was Dir oder den Deinen noch zustoßen kann und wie du dann reagierst. Schau mal den Film hier an: http://www.moviesection.de/film/3599-Es_war_einer_von_uns_TV, damit Du verstehst, was ich meine.
    Und die Zahlen sprechen für sich. Wenn nur ein Bruchteil der Frauen sich traut, einen Mißbrauch anzuzeigen und von diesen Tätern (sofern es gelingt, sie anzuklagen) ebenfalls nur ein Bruchteil verurteilt wird, dann läuft nicht nur bei den Frauen etwas schief, sondern beim Gesetzgeber. Die Aktion von Frau Sabiene ist ok!

    • Frau Sabienes sagt:

      @Sabine: Der Mike wollte hier nur seinen Link unterbringen, den ich aber gelöscht habe. Ich lasse auch mal solche Kommentare stehen, wenn ich denke, sie könnten die Diskussion anregen.
      Die Aktion war nicht von mir, sondern von Change.org und ich wollte sie ein bisschen verbreiten. Es ist schon wichtig, dass hier die Gesetzgebung sich ändert, ich bin da ganz deiner Meinung. Es liegt hier viel im Argen.
      Danke für den Filmtipp!
      LG
      Sabienes

  4. Ich sehe die Aussage von Elke auch sehr mit gemischten Gefühlen. Selber als Mutter von 3 Töchtern die ich sowohl sehr selbstbewußt, amikal und weltoffen erzogen habe, würde ich für KEINE der 3 Mädels die Hand ins Feuer legen, wenn sie in eine Situation des sexuellen Übergriffs kommen, sofort Anzeige zu erstatten und nicht „mundtot“ vor Scham und Schock ruhig zu bleiben.
    Für mich ist die Aussage sehr pauschal…..
    Liebe Grüße

    • Frau Sabienes sagt:

      @Nila: Es wäre ja gut, wenn es so einfach ginge! Und man muss sich nicht nur um die Mädels Sorgen machen …
      LG
      Sabienes

  5. rabenschwinge sagt:

    Ich habe mir das Strafrecht für Sexualdelikte angeschaut und denke, mit einer Verschärfung des Selbigen werden wir nichts erreichen, da dies doch sehr weitreichend und alles abdeckt.

    Wo wir dran arbeiten müssen ist das Selbstbewusstsein der Frau, diese Täter anzuzeigen und nicht schamhaft zu schweigen und die Schuld bei sich zu suchen.

    Egal ob die Straftat von einem Unbekannten, einen Bekannten, Familienangehörigen oder Partner verübt worden ist.

    Wichtig auch: Bringt denn Mädchen bei ihrer Wahrnehmung zu trauen. Was sich falsch anfühlt ist falsch!
    Hört zu, wenn Eure Kinder von Übergriffen berichten, nehmt sie ernst und schützt sie.

    So bekommen wir das Nein heißt Nein in die Gesellschaft und nicht via Gesetzesverschärfung.

    • Frau Sabienes sagt:

      @rabenschwinge: Ich habe mir zugegeben das Strafrecht nicht angeschaut, aber die Kritikpunkte dazu.
      Es ist auch dazu wichtig, dass man den Jungs und Männern beibringt, dass ein Nein ein Nein ist – egal, wie und warum.
      LG
      Sabienes

  6. rabenschwinge sagt:

    Sabine, die zwei Seiten einer Medaille: ich muss mir immer beide ansehen und den Wert dieser zu erkennen. Kritisieren kann man viel, allerdings sollte man wissen was.

    Kindern, egal ob männlich oder weiblich sollte man den Sinn des Neins beibringen. Ebenso die Achtung und den Respekt vor jedem Leben. Tat man früher auch.

    Und wenn ich denn auf die die Männer sauer bin, die übergriffig werden oder wurden, so muss ich das auch auf die Mütter sein. Die sind nämlich für die Erziehung verantwortlich.

    Gibt dazu inzwischen schöne Beiträge von muslimischen Frauen, die genau das aufgreifen.

    • Frau Sabienes sagt:

      @rabenschwinge: Was die Erziehung anbelangt, gebe ich dir schon Recht. Aber wir brauchen eine strengere Gesetzesgrundlage und ich bin davon überzeugt, dass das, was wir heute haben, nicht ausreicht.
      LG Sabienes

      • rabenschwinge sagt:

        ja, und wie geht es weiter? Vorallem, was ändern diese?
        Denn dann fehlen uns immer noch Leute, die das kontrollieren und Übergriffe müssen angezeigt werden. Werden sie heute aber immer noch sehr selten. Bei muslimischen Frauen noch seltener……

        Ein Großteil der Täter kann agieren weil es keine Anzeigen gibt und geschwiegen (nicht selten auch verharmlost) wird.

        • Frau Sabienes sagt:

          @rabenschwinge: Ja, das ist ein Elend. Aber auch missbrauchte Kinder werden ihren Peiniger nicht anzeigen, wenn es sich hierbei um den Papa oder den Onkel handelt. Genauso Ehefrauen. Die meisten Vergewaltigungen finden übrigens im nahen Umfeld des Opfers statt, im Familien- oder Freundeskreis.
          LG
          Sabienes

          • rabenschwinge sagt:

            Ja, und genau deshalb ist es ja so immens wichtig, Kindern beizubringen, dass Ihr Körper ihnen gehört. Wenn sie Nein sagen heißt das auch nicht! Also nichts von wegen „Gib Tante Martha doch ein Küsschen“ oder „Gib doch mal das Händchen“. Da fängt das Nein zum Missbrauch nämlich schon an! Indem wir unsere Kinder zu Kontakten, die sie nicht wollen nötigen. Obwohl sie und ganz deutlich ihr Nein dazu signalisieren.

            Und weiter geht es dann mit dem Rollenbild, was wir als Frauen vermitteln. Eine duldende und alles über sich ergehen lassende Frau, die keine Grenzen setzt und nicht Nein sagen kann gibt genau dies Verhalten im Rollenverhalten weiter.

          • Frau Sabienes sagt:

            @rabenschwinge: Da gebe ich dir auch vollkommen Recht. Aber es muss auch jedermann klar gemacht werden, dass sexuelle Übergriffe wirklich ganz, ganz böse sind und kein lässliches Dingens – unschön, aber was mudd dat mudd.
            LG Sabienes

  7. Sabine sagt:

    Der alte Tenor: Die Mütter sind an allem schuld ! Nein ! Die Väter sind dazu da, ihren Söhnen beizubringen, wie ein anständiger Mann lebt und handelt. Sie sind das Rollenmodell. Wieso sind Mütter dafür verantwortlich ? Ich weiss nicht , ob Du einen Sohn hast. Ich schon. Ich hab dazu zum Glück einen guten engagierten Vater für ihn. Kinder lernen am Vorbild der Eltern. Wenn ein Vater nie da ist oder durch sein Verhalten gegenüber der Mutter seinen Kindern zeigt, dass man Frauen misshandeln darf (wieviel Kinder sehen mit an, dass ihre Mutter geschlagen wird), dann nehmen sich das Jungs zum Vorbild, wenn sie älter werden. Dafür ist nicht die Mutter ,sondern der Vater verantwortlich!
    Meinst Du eine Mutter ,die normal ist sagt zu ihrem Sohn : wenn Du ein Mädchen mit kurzem Rock siehst , die darfst Du auch küssen und anfassen ,wenn sie das nicht will und nein sagt! Das wär (auch für ne muslimische Frau) hirnrissig.

    • Frau Sabienes sagt:

      @Sabine: Ganz häufig ist es ja auch so, dass gewalttätige Männer selber Gewalt erlebt – am eigenen Leib oder als Beobachter – erleben mussten. Und wer schon mal Kinder groß gezogen hat, weiß, was das für eine Gratwanderung manchmal ist und was man für ein Glück hat, wenn alles geklappt hat.
      LG Sabienes

  8. rabenschwinge sagt:

    Sabine, ich habe ein mittlerweile erwachsenes Pärchen. Tochter und ‚Sohn. Den Vater hab ich übrigens schon vor der Pubertät der Kinder dank soziopathischen Zügen und häusliche Gewalt entsorgt…. bin also alleinerziehend, auch wenn ich mittlerweile wieder in einer glücklichen Partnerschaft lebe. Ersatzvater war mein jetziger Partner für meine Kinder niemals, eher väterlicher Freund. Bewusst, denn von der Vaterfigur hatte sowohl ich als auch meine Kinder genug erlebt…..

    Da Du Dich auf Muslime bezogen hast: Die sind noch nicht im westlichen Standard der gemeinsamen Erziehung angekommen. Somit ist Erziehung da Frauensache. Die klassische Rollenverteilen übrigens ebenso.

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