Die Wolken von Sils Maria – Filmkritik frisch aus dem Kino

Die Wolken von Sils Maria
Die Wolken von Sils Maria

Ab und zu werde ich auf diesem Blog auch thematisch passende Filme aus Kino oder TV vorstellen. Beginnen möchte ich mit einem wunderbaren Film, der im Moment noch in den Kinos läuft.

Die Wolken von Sils Maria

Mit 18 Jahren hatte die berühmte Schauspielerin Maria Enders (Juliette Binoche) ihren Durchbruch als jugendliche Sigrid in dem Theaterstück: „Die Malojaschlange“. Nun soll sie etliche Jahre später nach dem Tod ihres Mentors Wilhelm Melchior, (der zugleich der Autor dieses Stückes war) in einer Wiederaufführung Sigrids Gegenpart, die ältliche, verbitterte Helena spielen.
Maria ist mit dieser Rolle nicht sehr zufrieden, ist doch Helena die Verliererin gegen die junge, durchtriebene Sigrid und in der Zuschauergunst nicht an erster Stelle. Dennoch nimmt sie das Engagement an und begibt sich mit ihrer persönlichen Assistentin Valerie (Kirstin Steward) in das verlassene Haus Melchiors in den Schweizer Bergen.
Die toughe Valerie, ungefähr im gleichen Alter, in dem Maria bei ihrem Durchbruch gewesen ist, hilft ihr beim Rollenstudium, in dem sie den Text der Sigrid spricht. Und immer mehr begeben sich diese beiden unterschiedlichen Frauen in eine Zwischenwelt zwischen Wirklichkeit und Fiktion, zwischen Gestern und Heute.

Als Maria endlich und sehr schmerzhaft auf den Boden der Tatsachen zurückgelangt, ist es fast zu spät und Valerie ist längst weg. Doppelt bitter ist die Tatsache, dass die Darstellerin der Sigrid, die leichtlebige Jo-Ann Ellis (Chloë Grace Moretz) ihr im Handumdrehen das Zepter aus der Hand genommen hat.

Die Inszenierung:

Der Regisseur Olivier Assayas hat in dieser deutsch-französisch-schweizerischen Produktion sehr mutig Darsteller vor die Leinwand gebracht, denen man ein vernünftiges gemeinsames Agieren gar nicht zutrauen würde, zum Beispiel die Grand Dame Binoche mit der Vampirette Kirsten Stewart.
Er scheint Gegensätze sehr zu mögen und vermischt moderne Kommunikationselektronik mit der Sagenwelt um die Malojaschlange (eine Wolkenformation am Malojapass) und unterstreicht dies mit einer Schwarzweiß-Dokumentation von 1924.

Maria macht alles falsch

So gegensätzlich die Inszenierung ist, so widersprüchlich agiert auch Maria.
Nachdem sie das Engagement angenommen hat, verwandelt sie sich von der Göttin in Chanelrobe zur biederen, älteren Frau mit Kurzhaarschnitt und langweiligen Kleidern. In einem solchen Outfit ist man quasi zur Larmoyanz gezwungen, klagt über das Leben, über das Altern und den ganzen Rest und diesen Gefühlen gibt sie sich fast dankbar hin.
Die Interaktionen zwischen ihr und Valerie sind oft von einem unerwarteten Tempo bestimmt, manchmal konfliktreich, manchmal besessen und häufig weiß man nicht, in welcher Rolle (Filmrolle oder Theaterrolle) sich diese beiden Frauen gerade befinden.
Für mich macht Maria alles falsch, was man als ältere Frau nur falsch machen kann. Sie will der Helena-Rolle nur die negativen Aspekte abgewinnen und sieht nicht die Chancen der reifen und klugen Frau. Ihr Scheitern an dem Auftrag und an ihrer Situation ist vorprogrammiert.
Letztendlich ist sie dem Jugendwahn der Schauspielbranche mehr verfallen, als sie sich jemals selbst eingestehen würde.

Meine Meinung:

Mir hat der Film sehr gut gefallen, ich finde auch nun beim Schreiben dieser Filmkritik immer wieder neue Aspekte in der Story. Die Darstellerinnen haben mich beide sehr überzeugt. Stewart ist wirklich erwachsen geworden und Binoche einfach wunderbar.

Bedingt durch den Besuch der Spätvorstellung gab es eine klitzekleine Einschlafquote.
Für weitere Informationen empfehle ich euch die offizielle Filmseite: Die Wolken von Sils Maria

Foto: Filmplakat „Die Wolken über Sils Maria“ ©NFP (Filmwelt)
Text: Die Wolken über Sils Maria – Filmkritik ©frau-sabienes.de

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