Dresscode – 3 Dinge, die ich von Wolfgang Joop gelernt habe

dresscode wolfgang joop
Dresscode – Stilikonen zwischen Kult und Chaos?

Wenn einer den Dresscode erfolgreicher Stilikonen, Fashionistas und Modepüppchen zu entschlüsseln vermag, dann der international erfolgreiche Modedesigner Wolfgang Joop. In diesem Buch stellt er Frauen aus der Modewelt vor, beschreibt ihre Art sich zu kleiden und aufzutreten und analysiert ihren Stil oder Style.
Ich bin ja nun nicht der große Fashion Victim und halte das ganz große Gedöns um Klamotten fast schon für ein bisschen übertrieben.
Bei diesem Buch war ich sehr gespannt darauf, ob und was ich daraus lernen kann. Tatsächlich sind mir 3 Dinge hängen geblieben.

Dresscode von Wolfgang Joop

Die Aufmachung des Buches

Die Aufmachung als broschiertes Taschenbuch ist sehr gelungen. Es wirkt, als hätte man nun das persönliche Moleskin von Wolfy in der Hand, zumal der Einband auf den ersten Blick fleckig wirkt.
Alle Stilikonen werden per Foto vorgestellt. Dann lässt er sich manchmal etwas episch über deren Garderobe aus und zeichnet kommentierte Entwürfe. Und da Joop wirklich sehr künstlerische begabt ist, sind diese auch sehr schön:

Iris Apfel
Unsterblich: Iris Apfel, ungefähr 200 Jahre alt

Oder:

Courtin-Clarins
Virginie und Claire Courtin-Clarins

Leider kann man oft diese Anmerkungen kaum entziffern. Joop erfreut sich über eine wahre Sauklaue und gleitet gerne mal ins Französische und Englische ab. Dazu schmeißt er mit oft eigens kreierten Ausdrücken ums sich und die Bilder gehen leider sehr oft über den Falz hinweg.
Sehr schade ist dies, wenn es bei den Fotos geschieht:

Carine Roitfeld
Versteckt im Falz: Der Dresscode von Carine Roitfeld

Gerade Carin Roitfeld (Chefin der französischen Vogue, wie ich nun weiß) scheint eine sehr interessante Frau zu sein und ich hätte gerne mehr von ihr gesehen.

Nach jedem Artikel gibt es noch die speziellen Dos and Dont’s der vorgestellten Ikone, wobei ich nicht immer sicher war, wie Joop das meint:

diane keaton
Dos and Dont’s von Diane Keaton – Positive oder negative Kritik?

Danach folgt Wolfys Fashion-Glossar – sehr wichtig für Leser, die wie ich im Mode-Jargon nicht zu Hause sind:

fashion glossar
Wolfys Fashion-Glossar: Noch einmal mit Diane Keaton

Bei dieser Gelegenheit hätte Joop sich vielleicht auch noch zu einer Erklärung der Begriffe „Stilikone“ und vielleicht auch „Dresscode“ hinreißen lassen können.

Dresscode – Stilikonen zwischen Kult und Chaos – Meine Meinung

Wolfgang Joop hat sich zwölf Frauen geschnappt, die alle in irgendeiner Form etwas mit Mode zu tun haben.

Ich gebe einmal zu, dass ich fünf der Damen gar nicht kenne. Wer bitte ist Carine Roitfeld oder Caroline de Maigret? Im Zweifelsfall waren die Mädels einfach Redakteurinnen einer Modezeitschrift, die ich nicht lese oder ganz einfach reich. Die restlichen Beispielfrauen kenne ich oder ich weiß zumindest, dass sie existieren.
Gewundert hat es mich, dass er die US-amerikanische Schauspielerin und Regisseurin Lena Dunham mit in den Kreis aufgenommen hat. Lena halt ich für uneitel genug, dass sie sich um Mode und Aussehen keinen allzu großen Kopf macht.
Was alle diese Frauen eint ist der Tatbestand, dass sie anziehen können, was sie wollen, um Einlass in einen angesagten Club zu erhalten.

Lobend erwähne ich hier einmal, dass Joop weder Heidi Klum noch Madonna vorgestellt hat. Seine Auswahl geht über die verschiedenen Altersklassen von blutjung bis ziemlich alt hinweg. Auch müssen nicht alle Ladies Size Zero oder noch weniger tragen, um in seinen Augen als Stilikone zu gelten.

Wolfgang Joop bemüht sich sehr um eine neutrale Betrachtung der jeweiligen Ikonen-Frau. Aber zwischen den Zeilen bemerkt man schon sehr deutlich, dass er Rihanna einfach prollig findet, dafür aber Diane Keaton bestaunt und Tilda Swinton fast schon liebt.

tilda Swinton
Einfach ein Stil, mehr kann man dazu nicht sagen

Bei seinen Ausführungen zu IT-Girl Kim Kardashion (ist nicht im erlauchten Kreis der Stilikonen mit dabei, wird aber kurz erwähnt) kann ich gar nicht mehr aufhören, vor Zustimmung zu nicken:

 […] Kim Kardashian, die sich zu einem Sexualobjekt degradiert. Das ist konterrevolutionär, da werden die ganzen Errungenschaften der 60er-Jahre zunichtegemacht.“

Danke Joop für diese Aussage!

Lustig fand ich seine Ausführungen zu Catherine Herzogin von Cambridge aka Kate Middleton. Kate trägt ja immer so Kleidungsstücke, die sich auch jeder Depp bei Zara kaufen könnte. Tatsächlich kommen diese Teile auch mal aus solchen Läden, werden aber für sie eigens auf den Leib zurechtgeschustert. Er findet die wahrscheinlich künftige Königin von Großbritannien zwar perfekt, aber eher langweilig und konstatiert ihr einen „Saftschubsen-Schick“ (Natürlich verweist er dabei auf den Schick einer Flugbegleiterin aus einer gehoben Fluggesellschaft)

kate middleton
Frau Catherine im „Saftschubsen-Schick“

Dresscode – 3 Dinge, die ich von diesem Buch gelernt habe

Dieses Buch ist beileibe nicht das wichtigste Buch der Saison.

Dennoch habe ich 3 Dinge gelernt:

  1. Stil ist unabhängig von dem, was gerade in Kaufhäusern und Boutiquen rumhängt. Die angebotenen Waren können lediglich eine Anregung für den eigenen Stil sein.
  2. Es ist wichtig, Experimentierfreude zu üben. Im Moment gebe ich mir mehr Mühe, neue interessante Kombinationen aus dem vorhanden Material (also Inhalt meines Kleiderschranks – also irgendwas mit Jeans) zu kreiern. Außerdem suche ich mir sorgfältiger meine Accessoires aus. Damit meine ich, dass ich auch mal andere Ohrringe trage, als immer nur die gleichen Kreolen.
  3. Das lerne ich nun ausgerechnet von Kate Middleton: Durch die Straßen zu gehen, als hätte man ein Publikum.
    Das klingt blöde, aber probiert es ruhig mal aus. Ihr müsst dabei nicht mit jedem Passanten Augenkontakt halten und huldvoll winken sollt ihr auch nicht. Aber lächelt und übt euch in Präsenz – auch wenn ihr gerade an der Wursttheke steht.

Bibliografisches:

  • Titel: Dresscode – Stilikonen zwischen Kult und Chaos
  • Autor: Wolfgang Joop
  • Broschiert: 256 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (21. November 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442176271
  • Preis: 13,99 € (Kindle – über Kindle Unlimited wäre es kostenlos), 12,99 € (Broschiert)
  • Amazonlink

Mit dieser Rezension beteilige ich mich an Daggis Buchchallenge 2017, Aufgabe 41: Lese ein Buch mit Bildern oder Illustrationen

Alle Fotos: Dresscode – Stilikonen zwischen Kult und Chaos von Wolfgang Joop ©frau-sabienes.de
Text: Dresscode – Stilikonen zwischen Kult und Chaos von Wolfgang Joop ©frau-sabienes.de

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8 Kommentare

  1. Hallo liebe Frau Sabienes,
    Joop hat auch sinnvolles geschrieben? Zum Thema Weiblichkeit? Ich bin beeindruckt! Dabei ist doch gerade Joop der Ansicht, wenn ein Model einen Vertrag unterschrieben hat, indem es 40 Kilogramm bei 1,85 m wiegen darf, dass es nicht zunehmen sollte.
    Joop scheint mir da wohl etwas widersprüchlich zu sein, was die Weiblichkeit betrifft. 😉
    Jedenfalls gefällt mir Dein Artikel!
    Liebe Grüße, Ulrike

    1. @Ulrike Fuchs: Man kann natürlich nur mutmaßen, wie Joop diese Aussage gemeint hat. Tatsächlich wäre ja so ein Mädel alt genug, um freiwillig zugestimmten Vertragsbedingungen erfüllen kann. Natürlich kann so ein junges Ding die Tragweite nicht abschätzen. Aber das steht auf einem ganz anderem Blatt.
      Das Buch ist weniger ein Hochgesang auf die Weiblichkeit, als auf den Stil der Damen. Insofern passt das alles auch wieder zusammen.
      Schön, dass dir mein Artikel gefallen hat!
      LG Sabienes

  2. Danke für die Buchvorstellung. Finde ich sehr interessant, wie Du das geschrieben hast. Der Aussage von Ulrike stimme ich zu. Aber er hat ja nicht über Models geschrieben, sondern über Stilikonen.

    Liebe Grüße Sabine

  3. Ich habe eine zeitlang auch mit Accessoires gespielt, aber Ohrringe stören mich tagsüber im Büro extrem, weil ich viel am Telefon hänge, also habe ich es mir wieder abgewöhnt. Aber ich habe eine Kollegin, die hat da ein tolles Händchen für und ich bewundere sie schon lange.

    Durch die Straßen zu gehen, als hätte man ein Publikum. Das könnte ein Selbstexperiment werden, die Idee gefällt mir 🙂

    1. @Daggi: Das bringt es wirklich. Man strahlt einfach positiver und es kommt wieder zu einem zurück. Es klappt aber nicht an allen Tagen, dazu bräuchte man schon die Profi-Royal-Ausbildung 😉
      LG Sabienes

  4. Das ist eine tolle Buchbeschreibung. Gefällt mir unglaublich gut (schade, dass ich so was nicht kann). Das macht mich ja fast neugierig auf das Buch, auch wenn ich sicherlich kein Joop-Fan bin.
    Aber Dein Selbstexperiment gefällt mir. Das versuche ich auch demnächst.

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