Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast – Maria Bachmann

Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast – Maria Bachmann

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Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast – Von einer, die ausbrach, das Leben zu lieben

Die kleine Maria wächst in den 1960er Jahren in der Provinz am Bayerischen Untermain auf.
Ihre Kindheit ist geprägt von der klaustrophobischen Enge der Verhaltensmuster, wie sie bei den Kinder der Kriegsgeneration üblich gewesen sind. Wichtig war es, die Klappe zu halten, ja nicht mit neuen Ideen aufzufallen und immer mit dem Hintergedanken, was die Nachbarn von einem denken könnten.
Und – ganz wichtig! – die Eltern haben immer Recht! Wie schon die Rute beweist, die drohend hinter der Eckbank auf garstige Kinder wartet.
Maria und ihre Geschwister haben es warm, sauber und satt. Aber gerade dem sensitiven Mädchen fehlen Lebensfreude, menschliche Wärme und Zuspruch. Als sie beginnt, aus dieser Tristesse zwischen roten Mainsandstein und Weingärten auszubrechen, wird ihr Undankbarkeit vorgeworfen.
Und der Satz „Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast“ bekommt sie viel zu oft zu hören. 

Maria Bachmann

Maria Bachmann, Jahrgang 1964, wuchs in Bürgstadt bei Miltenberg auf. Sie lernte zuerst Arzthelferin und Krankenschwester, zog dann aber nach Hamburg, um sich dort als Schauspielerin ausbilden zu lassen.
Bislang spielte sie in etlichen Serien, wie SOKO München, Rosenheim Cops, Wilsberg und andere mit. Ihren Durchbruch hatte sie aber 1992 mit einem Werbespot für einen bekannten Spülmaschinenentkalker und der Aussage: „… dann klappt’s auch mit dem Nachbarn!“

Ihr autobiografischer Roman Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast ist bislang ihr viertes veröffentlichtes Buch.

Ansonsten arbeitet Frau Bachmann noch als Coach für Schauspieler und als Regisseurin und lebt bei München.

Ich weiß ja auch nicht, wie gut ich es habe!

Ich kenne Maria Bachmann nicht. Aber unsere Lebenswege haben sich einige Male tangiert, so dass es mich fast schon wundert. Und als ich auf dem Blog von Maria Al-Mana von diesem Buch gelesen habe, wusste ich, dass mich ihre Geschichte betrifft. Denn auch ich bin ein Kriegsenkel, auch ich habe noch die Segnungen einer tausendjährigen Erziehung erfahren. Und auch mir wurde der Satz: „Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast“ um die Ohren geschmettert.
Dabei spielt es gar keine Rolle, dass sie in der Provinz gelebt hat, während ich in einer tollen Großstadt wie Hamburg aufgewachsen bin. Denn diese Tristesse und Klaustrophobie kann man auch in einer Dreizimmerwohnung im Stadtteil Rotherbaum erleben.
Inzwischen lebe ich etwa 25 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt, der eigentlich ein recht hübscher Weinort ist. Und sie wohnt nun in Oberbayern. Und diese Gegend hat mich mehr als alles andere geprägt – in einer Zeit, in der sie sich in Hamburg umgetan hat.

Du weißt gar nicht, wie gut du es hast – Meine Meinung

Meine Meinung brauche ich vielleicht gar nicht mehr extra hier einzutippen. Denn ihr ahnt es schon: Das Buch hat mir sehr gefallen und mich gleichzeitig sehr berührt. Es hat mir gezeigt, dass ich nicht die einzige bin, die unzufrieden mit ihrem Leben, ihren Perspektiven und ihren Emotionen ist. Obwohl sie doch alles hatte. „Alles, was wir damals nicht hatten!“ 
Denn jede Generation hat ihre eigenen Träume.

Gleichzeitig habe ich ihr kompromissloses und konsequentes Handeln, mit dem sie sich ein neues Leben aufgebaut hat, sehr bewundert. Ich hatte zwar meine eigenen Fluchten und Rebellionen ausgetragen (und gewonnen). Trotzdem wäre mir jemand wie der Udo Lindenberg doch zu suspekt gewesen, als das ich ihm hätte vertrauen können. (Übrigens, Frau Bachmann: Der alte Onkel Pö in Pöseldorf lag auf meinem Schulweg! Will ich nur mal gesagt haben!)

Wir, die Generation der Kriegsenkel wissen ja nicht, wie gut wir es haben!

Viele Erwachsene aus dieser Generation fühlen die Last, ein Kriegsenkel zu sein. Denn die Traumatisierungen, die die Kriegskinder (also die Generation unserer Eltern) erlebt haben, wurden häufig an die nächsten Generationen weitergegeben. Dabei ist es unerheblich, ob unsere Eltern als Kinder die Schrecken einer fürchterlichen Flucht aus Hinterpommern erlebt haben oder nicht. Jeder geht mit seinem Erlebten anders um. Und jeder zieht seine eigenen Schlüsse.
Wichtig ist hier immer die Herzqualität aller Betroffenen.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Zu Beginn des Buches jammert sie ein bisschen zu viel über die Ungerechtigkeiten, gerade von ihrer Mutter. Es geht dann auch mal um Mobbing im Kindergarten und Schule. Für meinen Geschmack fand ich hier ein Zuviel an Larmoyanz.

Das hat mir gut gefallen:

Die Fotos in den Einbandseiten sind toll! Die gleichen Kniestrümpfe und Röckchen trug ich auch mal und dann noch der junge Thomas Gottschalk! In ihrer Familie hat man wohl damals schon einen Fotoapparat besessen.
Zum Schluss hat sie sich mit ihren Eltern versöhnt. Mir ist dies leider nicht gelungen.

Und weil dieses Buch sehr viel zu unserem eigenen Verständnis, aber auch zum Verständnis unserer Eltern beiträgt, kann ich es euch wärmstens empfehlen! Das gilt ganz besonders, wenn ihr gerade zwischen 50 und 60 Jahren oder älter seid.

Du weißt ja gar nicht …  Bibliografisches

Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast - Von einer, die ausbrach, das Leben zu lieben - Kindheitserinnerungen von Maria Bachmann
Bibliografisches zu dem Buch: „Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast“
  • Titel: Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast – Von einer, die ausbrach, das Leben zu lieben
  • Autor: Maria Bachmann
  • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
  • Verlag: Knaur HC; Auflage: 1. (1. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426214555
  • ISBN-13: 978-3426214558
  • Preis (Stand September 2019): 19,99 Euro (Gebundenes Buch), 14,99 Euro (Kindle)
  • Bestelllink Amazon

(Alle Angaben ohne Gewähr)


Habt ihr von dem Begriff Kriegsenkel schon einmal gehört? Kennt ihr das Buch bereits oder würdet ihr euch das kaufen?


du weißt ja gar nicht wie gut du es hast


Mit dieser Rezension beteilige ich mich an Daggis Buchchallenge 2019, Aufgabe 47: Lese ein Buch eines Autors aus deiner Region


Alle Fotos: Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast – Maria Bachmann ©frau-sabienes.de
Text: Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast – Maria Bachmann ©frau-sabienes.de

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Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast - Maria Bachmann
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3 Gedanken zu „Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast – Maria Bachmann

  1. Liebe Sabienes, ich falle ja auch in diese Generation und bin ein Kriegsenkel. Manches habe ich ähnlich empfunden, manches war für mich aber doch ganz anders. Was „die Leute denken“, war natürlich auch bei meinen Eltern sehr wichtig – dennoch habe ich immer ein gutes Verhältnis zu ihnen und gehabt. Sie haben mir aber auch nie quasi den Titel des Buches „Du weißt ja gar nicht, wie du es hast“ vermittelt, sondern im Gegenteil, für sie war es wichtig, dass es uns Kindern gutgeht und dass wir uns wohlfühlen und sie haben es uns wirklich gegönnt, dass wir in anderen Zeiten aufwachsen durften. Sie haben auch nie Vergleiche zwischen ihrer Kindheit und unserer Kindheit gemacht und wenn wir als Kinder etwas von früher hören wollten, dann wurde das von ihnen wertfrei erzählt. Daher habe ich dies doch zu einem großen Teil wahrscheinlich anders erlebt.
    Hab einen wunderbaren Abend und alles Liebe

    1. @Wonderful Fifty: Die Menschen gehen immer ganz unterschiedlich mit ihrem Schicksal um. Und erstaunlicherweise hängt das nicht unbedingt mit der Schwere oder Tragik des Erlebten zusammen. Ich kenne auch viele, bei denen es daheim anders lief, als bei mir. Und einige, da war es ähnlich oder schlimmer. Schön, wenn es anders läuft – positiver, mit mehr Herz, aufgeschlossen. Ansonsten kann man immernoch daraus lernen und es besser machen.
      LG
      Sabienes

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