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Embrace – Du bist schön. Ein Dokumentarfilm von Taryn Brumfitt

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Embrace – Ein wichtiger Dokumentarfilm von Taryn Brumfitt

Das Streben nach Schönheit und Perfektion mag ein Attribut einer kulturell entwickelten Gesellschaft sein.
Aber man kann es auch übertreiben.
Zahlen, die besagen, dass 91 Prozent aller deutschen Frauen mit ihrem Körper unzufrieden sind, finde ich erschreckend. Noch erschreckender ist, dass die Unzufriedenheit nicht von einem körperlichen Gebrechen herrührt. Es hängt eher damit zusammen, das sie nicht so aussehen, wie das Schönheitsideal, dass ihnen stromlinienförmig und gephotoshopped ohne Ende präsentiert wird.
Die australische Fotografin Taryn Brumfitt hat über das Selbstbild von Frauen einen Dokumentarfilm mit dem Titel Embrace – Du bist schön gedreht.

Und dieser Film hat mich sehr nachdenklich gemacht.

Wer ist Taryn Brumfitt?

Taryn Brumfitt ist Mitte Dreißig, blond, hübsch und sie wirkt sehr nett. Früher war ihre Figur ganz normal – nicht dick, nicht dünn. Aber nach der Geburt ihrer Kinder konnte sie sich irgendwann nicht mehr leiden.
Sie begann ein strenges Fitnessprogramm mit Trainingsplan und Eiweißdiät. Dabei konnte sie sich tatsächlich eine Figur erarbeiten, die sie auf die Bühne eines Posings im silbernen Bikini gebracht hat. Und sie sagt: „Noch nie habe ich mich in meinem Körper so unwohl gefühlt, wie in dieser Zeit“.

Die ganze Aktion forderte von ihr zu viel Zeit und Energie, die ihr für wichtigere Dinge, wie Familie fehlten.

Inzwischen hat sie den Diät- und Fitnesswahn aufgegeben. Sie ist ein bisschen pummelig, hat etwas sehr mütterliches, ist entspannt und freundlich.

Embrace – Du bist schön

In ihrem Dokumentarfilm Embrace besucht Taryn mehrere Stationen auf der ganzen Welt, um herauszufinden, warum so viele Frauen so unzufrieden sind.

Sie besucht die Redakteurin eines Modemagazins in Sydney, die Schwierigkeiten hatte, für eine Fotostrecke Bekleidung in Größe 42 und 44 zu erhalten. Obwohl die jeweiligen Modelabels auch Bekleidung oberhalb der Konfektionsgröße 36 verkaufen, wollten sie ihre Klamotten nicht an normalen Frauenkörpern sehen. Sie lässt sich in den USA von einem Schönheitschirurgen beraten, der ihr ganz ungeniert rät, ihre Brüste („Mit denen habe ich drei Babys gestillt!“) anzuheben. Und das Fett, dass man durch die Fettabsaugung am Gesäß gewinnt, könne man wunderbar für eine Aufspritzung der Lippen verwenden.
Sie interviewt eine Muslimin mit Vollbart, eine Frau mit furchtbaren Brandwunden und eine andere Frau, die so schlimm unter Magersucht leidet, dass sie einen KZ-Häftling spielen könnte.

Nora Tschirner

Die deutsche Schauspielerin Nora Tschirner hat diesen Film mitproduziert und wurde von Taryn zu einer Preisverleihung in Wien begleitet. Nora erzählt von einigen eigenen Erlebnissen im Zusammenhang mit Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung.
Ansonsten kann man sich gar nicht vorstellen, dass Uns-Nora in dieser Hinsicht Probleme haben könnte – weder so noch so.

Embrace – Meine Meinung

Eigentlich sollte es einen solchen Film nicht brauchen.
Und eigentlich bietet dieser Film keine allzu neuen Informationen, wenn man mal von den Statistiken absieht:

  • 90 Prozent aller Fälle von Magersucht und anderen Essstörungen betreffen Frauen.
  • 49 Prozent aller Deutschen lassen regelmäßig Schönheitseingriffe vornehmen.
  • Und 45 Prozent aller Frauen denken, sie wären übergewichtig – obwohl sie das gar nicht sind.

Auch, wenn wir alle wissen, dass dieser ganze Schönheitswahn ein einziger Schmarrn ist, finde ich es wichtig, dass einmal auf eine so symphatische Weise darüber berichtet wird.

Leider bietet dieser Film wenig Hilfen an. Es werden zwar etliche Frauen gezeigt, die trotz eines körperlichen Problems oder Makels mit hoch erhobenen Kopf durch das Leben schreiten. Aber nicht jede Frau bekommt die Chance, zum Beispiel an einer Fotostrecke mitzuarbeiten oder als Beraterin für irgendwas tätig zu sein. Mir fehlen hier konkrete Werkzeuge, die man verwenden kann, wenn man mit bestimmten Klischees oder lockenden Hochglanzbildern konfrontiert wird. Oder für Tage, an denen man sich alt und hässlich und fett fühlt.

Embrace – Umarmung

Wir Frauen können in Weltraum fliegen, ein Mittel gegen Krebs erfinden, Kinder zur Welt bringen und Männerschnupfen heilen. Aber wir uns fehlt das Selbstbewusstsein, um über unser eigenes, vielleicht unperfektes, wahrscheinlich aber ganz normales Äußeres hinwegzusehen.
Unsere Unzufriedenheit wird dank Photoshop, GNTM & Co und vielleicht mancher „Influenzerin“ immer schlimmer.

By the way: Wann habt ihr euch das letzte Mal selbst umarmt? (Embrace)

Fazit:

Obwohl einem der Film ein wenig hilflos entlässt, bin ich der Meinung, dass sich jede Frau, egal welchen Alters, diesen Film einmal ansehen sollte. Und er sollte zum Pflichtprogramm an Schulen, spätestens in der Oberstufe gemacht werden. Mütter, Väter und Brüder sollten ihn mit ihren Töchtern und Schwestern ansehen. Partner mit ihren Partnerinnen.

Der Film wurde 2017 nur an einem einzigen Tag in den (deutschen) Kinos gezeigt, was sehr schade und unverständlich ist. Inzwischen gibt es ihn aber als DVD oder zum Streamen.

Filmografisches

embrace filmposter

Filmografisches zu dem Film „Embrace – Du bist schön“

  • Titel: Embrace – Du bist schön
  • Originaltitel: Embrace
  • Produktionsland: Australien
  • Originalsprache: Englisch
  • Erscheinungsjahr: 2016
  • Länge: 90 Minuten
  • Altersfreigabe: FSK 12
  • Regie: Taryn Brumfitt
  • Drehbuch: Taryn Brumfitt
  • Preis Stand März 2018: 4,99 € – 9,99 € (Amazon Video)  9,99 € (DVD)
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(Alle Angaben ohne Gewähr)

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Alle Fotos: Embrace – Du bist schön. Ein Dokumentarfilm von Taryn Brumfitt ©frau-sabienes.de
Text: Embrace – Du bist schön. Ein Dokumentarfilm von Taryn Brumfitt ©frau-sabienes.de

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Embrace - Du bist schön. Ein Dokumentarfilm von Taryn Brumfitt
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4 Kommentare zu “Embrace – Du bist schön. Ein Dokumentarfilm von Taryn Brumfitt

  1. Ines

    Ein Thema, dass gar nicht oft genug in den Fokus gerĂŒckt werden kann.

    Mir geht es mit der Selbstwahrnehmung auch so, dass sie seit 3,5 Jahren nicht real ist. Vorher war ich dick mit GrĂ¶ĂŸe 46/48. Jetzt trage ich Hosen in 38/40, oben 42, und rede mir noch bei jeder einzelnen ein, dass sie riesig ausfallen muss, weil ich sonst ja nicht reinpassen wĂŒrde. Ich sehe, dass die alten Sachen viel zu groß sind, wenn ich Einzelteile davon noch trage, zum Beispiel eine Strickjacke. Aber mein Körper fĂŒhlt sich nicht anders an und sieht fĂŒr mich auch nicht anders aus in der Breite und Tiefe. Ich finde das nicht schlimm, weil ich mich vorher wohl gefĂŒhlt habe. Ich bin nur immer wieder ĂŒberrascht, wenn VerkĂ€uferinnen nicht sagen „Ihre GrĂ¶ĂŸe fĂŒhren wir nicht“, sondern mir eine passende 29er Jeans hinhalten. Und dass, wo mein Beruf aus Äußerlichkeiten besteht und ich bei anderen einen guten Blick dafĂŒr habe. WertschĂ€tzenden Blick auf sich selbst kann ich anderen dennoch beibringen, weil ich mich wohl fĂŒhle. Mein GefĂŒhl braucht vielleicht so lange, sich an den neuen Körper zu gewöhnen, wie es gebraucht hat, den dicken Körper zu mögen. Das dauert dann noch ein paar Jahre.

  2. Frau Sabienes Beitragsautor

    @Ines: Wow! Mir war gar nicht so bewusst, wie viel du abgenommen hast! Gratuliere! Gut gemacht.
    Diese Selbstwahrnehmungsprobleme kenne ich auch. Ich musste mir von einer Freundin den Kopf waschen lassen, damit ich mir mal eine knackigere Jeans kaufe. Die, die mir dann gepasst hat, war 2 GrĂ¶ĂŸen kleiner, als die alten. Und war trotzdem nicht zu eng.
    Der Körper braucht Zeit, um sich auf die schlankeren Maße einzustellen. Die ehemaligen Fettpölsterchen kamen schließlich auch nicht von heute auf morgen.
    LG Sabienes

    1. Frau Sabienes Beitragsautor

      @Ralf: Kaum blogge ich ĂŒber diesen Film, wird er schon auf Arte gesendet! 😉
      LG Sabienes

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