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Wo Mut die Seele trĂ€gt: Wir Frauen in Afghanistan – Nahid Shahalimi

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Wo Mut die Seele trät. Wir Frauen in Afghanistan. Eine Reportage von Nahid Shahalimi

Wo Mut die Seele trägt. Wir Frauen in Afghanistan. Eine Reportage von Nahid Shahalimi

Sportlerin, Anführerin, Ärztin, Pilotin, Anwältin, Aktivistin, Künstlerin – das sind alles ganz normale Berufe oder Tätigkeiten für Frauen.
In den westlichen Industriestaaten.
Das aber Frauen in Afghanistan solche oder ähnliche Aufgaben übernehmen, ist wohl kaum vorstellbar, oder? 
Ist es doch, sagt die aus Afghanistan stammende Künstlerin Nahid Shahalimi.  Teilweise unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen hat sie ihre alte Heimat besucht und dort etliche tapfere, mutige, außergewöhnliche und starke Frauen interviewt.
Und dabei entstand dieser Bildband, den ich euch heute vorstellen und ans Herz legen möchte.

Nahid Shahalimi

Nahid Shahalimi kam 1973 in Kabul als Tochter eines wichtigen afghanischen Politikers zur Welt.
Als ihr Vater 1981 starb, sah sich ihre nun plötzlich rechtlose Mutter gezwungen, mit ihren drei Töchtern über Pakistan nach Kanada zu fliehen. Nahid wuchs in Québec auf und betätigt sich nach ihrem Studium als Künstlerin, Autorin und Filmemacherin, wobei Menschenrechte einen großen Platz in ihrer Arbeit einnehmen.
Inzwischen wohnt Frau Shahalimi mit ihren Töchtern in München.

Was ist eigentlich Afghanistan?

Afghanistan ist ein Binnenland, das hauptsächlich aus Gebirge besteht. Es liegt eingequetscht zwischen Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, China und Pakistan.
Von 1933 bis 1973 erlebte dieses muslimische Land den Aufbau einer demokratischen Regierung samt Einführung des Frauenwahlrechts. Diese Blütezeit endete spätestens, als 1979 die Sowjetunion einmarschierte. Diese zogen zwar 1989 wieder ab. Aber da das Land noch nicht genug verwüstet gewesen ist, kümmerten sich die Hardcore-Muslime, die Talibans, um den Rest. Bei dieser Gelegenheit wurden die Frauen in Afghanistan so ziemlich aller Rechte beraubt. Die Unterdrückung geht vom Tragen einer Burka bis hin zum Zwang, dem Ehemann den Geschlechtsverkehr niemals zu verweigern.
Seit spätestens 2011 gelten die Talibans als zerschlagen, was aber gerade im ländlichen Bereichen sie nicht davon abhält, weiterhin für Unruhe zu sorgen.

Wo Mut die Seele trägt – Wir Frauen in Afghanistan

Bevor ich dieses Buch gelesen habe, war Afghanistan für mich ein staubiges Land, in dem die unterdrückten Frauen in Ganzkörperschleier herumlaufen und Talibans durch die Gegend ballern.
Das dieses Land in gesellschaftlicher Hinsicht schon weitaus bessere, sprich liberalere Zeiten erlebt hat, konnte ich zwar Berichten aus den 60er und 70er Jahren entnehmen. Aber wie sich dieses geschundene Land in den letzen Jahren entwickelt hat, konnte ich mir nicht vorstellen.
Afghanistan hat seit mehr als 30 Jahren einen wirklich üblen Bürgerkrieg miterlebt. Die Frage, ob Afghanistan ein sicheres Herkunftsland für Flüchtlinge darstellt, kann man nicht mit gutem Gewissen bejahen.

Die Berichte von den dort lebenden Frauen haben mich immer wieder deprimiert.

Warum mich dieses Buch so fasziniert hat

Nahid Shahalimi ist für dieses Buch mehrfach nach Afghanistan gereist, was an sich schon einer kleinen Mutprobe gleichkommt.
Dabei hat sie etliche Frauen getroffen und mit ihnen über ihr Leben und ihre Arbeit gesprochen. In diesem Buch stellt sie 20 Afghaninnen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten mit ganz unterschiedlichen Lebenswegen und Ausbildungen vor.
Und trotz aller Probleme und Repressalien haben sie nicht den Mut verloren und versuchen etwas, in ihrem Land zu bewirken.
Während des Taliban-Terrors mussten sie sich zu Hause verkriechen oder flohen ins Ausland. Nun sind sie wieder zurück gekehrt und arbeiten an ihrem angestammten Platz.

Besonders angetan hat mich die Geschichte der Kinderrechtsaktivistin Aziza Rahimzada. Und anscheinend bin ich hier mit der Autorin einer Meinung, denn ihr Interview erscheint im Buch an erster Stelle. Aziza ist selbst fast noch ein Kind, während des Besuchs von Shahalimi war sie erst 17 Jahre alt. Sie lebt mit ihren Eltern in einem Flüchtlingslager am Rand von Kabul und setzt sich dort für die Rechte der Kinder, zum Beispiel für Schulbildung, ein.

Beeindruckend fand ich auch die Graffiti-Künstlerin Shamsia Hassani und ihr zauberhaften Gemälde. Und die Geschichte der Militärpilotin Shaima Noori ist einfach unglaublich. Die meisten dieser Frauen werden wunderbar von ihrer Familie und – ja, auch – von ihren Ehemännern unterstützt. Mit deren Hilfe, aber auch Kraft ihrer Energie, ihrer Intelligenz und ihres Könnens haben sie sich den Respekt ihrer (männlichen) Landsleute erworben.
Es gibt aber auch eine andere Geschichte. Und zwar die der Studentin Farkhunda Malikzada, die einfach zu Tode geprügelt worden ist. Während die Polizei weggesehen hat.

Was mir noch gefallen hat

Man liest zwischen den Zeilen immer wieder die Sympathie und Hochachtung heraus, die Shahalimi für diese Frauen empfindet. Was mir aber auch noch gefallen hat, waren die wunderbaren Fotos, die teilweise die Autorin selber oder aber Begleiter oder Angehörige der Interviewpartner gemacht haben.
Sie runden das ganze Buch wunderbar ab und betonen auch die künstlerische Komponente dieses Werks.

Fazit:

Der Titel „Wo Mut die Seele trägt“ mag vielleicht bei uns Westlern einiges Stirnrunzeln hervorrufen.
Aber das Buch selbst gibt einen wunderbaren Einblick in die afghanische Gesellschaft, die sich nun nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs und Terrors so langsam zu erholen scheint.
Man kann den Menschen dort nur alles Gute wünschen und das gilt auch ganz besonders für diese mutigen, einzigartigen Frauen in Afghanistan.


Hättet ihr es für möglich gehalten, dass Frauen in Afghanistan solchen Tätigkeiten nachgehen, wie in diesem Buch beschrieben?


Bibliografisches

Wo Mut die Seele trägt. Wir Frauen in Afghanistan Nahid Shahalimi

Bibliografisches zu dem Buch: „Wo Mut die Seele trägt. Wir Frauen in Afghanistan“

  • Titel: Wo Mut die Seele trägt. Wir Frauen in Afghanista
  • Autor: Nahid Shahalimi
  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
  • Verlag: Elisabeth Sandmann Verlag; Auflage: 1 (6. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3945543169
  • ISBN-13: 978-3945543160
  • Preis Stand März 2019: 24,95 € (Gebundenes Buch)
  • Bestelllink Amazon

(Alle Angaben ohne Gewähr)


Mit dieser Rezension beteilige ich mich an Daggis Buchchallenge 2019 Aufgabe 55: Lese ein Buch, das schon mindestens ein Jahr auf deinem SuB liegt


Wo Mut die Seele trägt: Wir Frauen in Afghanistan - Nahid Shahalimi

Alle Fotos: Wo Mut die Seele trägt: Wir Frauen in Afghanistan – Nahid Shahalimi ©frau-sabienes.de
Text: Wo Mut die Seele trägt: Wir Frauen in Afghanistan – Nahid Shahalimi ©frau-sabienes.de

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Wo Mut die Seele trägt: Wir Frauen in Afghanistan - Nahid Shahalimi
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2 Kommentare zu “Wo Mut die Seele trĂ€gt: Wir Frauen in Afghanistan – Nahid Shahalimi

  1. Wonderful Fifty

    Danke fĂŒr diese wunderbare Buchvorstellung – derartige BĂŒcher lese ich immer wieder mal gern. Es ist total interessant, in eine andere Welt einzutauchen und anhand von Erfahrungsberichten das Leben in einem fremden Land kennen zu lernen, einem Land, das doch so eine ganz andere Kultur hat wie wir. Der Mut und der Einsatz dieser Menschen ist einfach so bemerkenswert, was diese oft durchmachen und aushalten mĂŒssen, können wir uns gar nicht vorstellen.
    Hab einen wunderbaren Abend und alles Liebe

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