Jenseits von Afrika von Tania Blixen (Rezension eines Klassikers)

jenseits von afrika
Jenseits von Afrika – Buch und Film

Jenseits von Afrika war für mich bislang immer nur ein Film, in dem ein Robert Redford der Meryl Streep im Busch die Haare wäscht und ein Klaus Maria Brandauer maliziös grinst. (Aber das tut er ja oft und gerne)
In der Mitte der 80er las fast jede Frau in meinem Bekanntenkreis das dazugehörige Buch und schwärmte. Aber diesem Hype wollte ich mich nicht anschließen, der Film war mir eigentlich schon tragisch, kitschig und Afrika-bunt genug.
Nun habe ich mir diese Biografie von Tania Blixen einmal vorgenommen und frage mich, warum ich dieses Buch nicht schon viel früher gelesen habe.

Tania Blixen

Eigentlich hieß die Dame Karen Blixen-Finecke und wurde 1885 in Rungstedlund bei Kopenhagen geboren. Tania Blixen und Isak Dinesen sind Pseudonyme, unter denen sie veröffentlicht hat.
Sie wuchs sehr behütet auf dem gutbürgerlichen, elterlichen Gut auf und interessierte sich schon als junges Mädchen für Kunst, Schriftstellerei und fremde Länder. Sie verliebte sich unsterblich in den schwedischen Adligen Hans von Blixen-Finecke, der sie aber verschmähte. Stattdessen heiratete sie 1914 dessen Bruder Bror.
Vielleicht war diese unglückliche Liebe ein Skandal in der besseren Gesellschaft Dänemarks. Aber vielleicht war man auch im Familienkreis ein bisschen erleichtert, die schon leicht beigealterte Tochter an den Mann zu bringen. Aber es scheint wirklich ein Akt der Dankbarkeit gewesen zu sein, dass ihre Famiie dem jungen Paar eine Farm weit weg in Afrika finanzierte.

„Ich hatte eine Farm in Afrika …. „

So beginnt die Erzählung von dem größten Abenteuer ihres Lebens „Jenseits von Afrika“ – und der Film im Übrigen auch.
Als Tania Blixen zu ihrem Bror in ein Farmhaus am Fuß des Ngong-Gebirges nahe der kenianischen Hauptstadt Nairobi reiste, musste sie feststellen, dass der nichtsnutzige Ehemann schlecht investiert hatte. Denn für die geplante Kaffeeplantage war das Land durch die Höhenlage nur eingeschränkt geeignet.
Dennoch kämpfte sie tapfer bis verbissen 17 Jahre lang dafür, aus dem riesigen Anwesen wenigstens ein bisschen was an Ertrag zu erwirtschaften. Ihr Ehemann hingegen war häufiger auf Großwildjagden zu finden, als an der heimischen Ackerkrume. Zwischendurch steckte er seine Frau noch schnell mit Syphilis an – eine Infektion, bei der damals die Behandlung fast noch lebensgefährlicher als die Erkrankung selber gewesen ist.

Jenseits von Afrika

Ihr Buch ist eigentlich keine chronologiesche Erzählung, sondern eine Schilderung der einzelnen Besonderheiten. Sie beschreibt die Landschaft, die Tiere und die Menschen und deren Sitten. Sie beschreibt das Glück, Besuch aus Europa zu erhalten, sie erzählt von Großwildjagden und anderen spannenden Unternehmungen.
Und natürlich ganz zaghaft und sittsam kommt ihre große Liebe zu dem Safari-Führer Denys Finch Hatton zur Sprache (das ist dann der Haarewäscher Robert Redford). Was ihr dieser Mann bedeutet hat, kann man nur erahnen, nachdem er tödlich verunglückt ist und sie über die Vorbereitungen für seine Beisetzung schreibt.

Und all dies erzählt sie mit dem Blick einer Künstlerin und Menschenfreundin.

Kritiken an Jenseits von Afrika

Natürlich zeichnet Blixen mit ihrem Werk ein idealisiertes Bild von Afrika.
Auf der einen Seite die guten, zivilisierten Kolonialherren, auf der anderen Seite die schwarzen, dummen Eingeborenen, die aber in der Regel ein Herz aus Gold haben. Von Ausbeutung, Rassismus, Feudalismus keine Spur, sie scheint ganz unbeeindruckt von diesem ganzen Unrecht in ihrem eigenen Kokon gelebt zu haben.

Aber man muss sie auch als Kind ihrer Zeit betrachten. Denn damals waren Weiße absolut davon überzeugt, dass sie durch ihre Hautfarbe immer in der Rangordnung ganz oben stehen.
Und in diesem Zusammenhang, glaube ich fest daran (oder will es glauben), dass sie noch zu den netteren und fürsorglicheren „Bwanas“ gehört hat. Zumindest genießt sie bis heute große Sympatien unter der einheimischen Bevölkerung. In Nairobi gibt es einen Stadtteil mit ihrem Namen und aus ihrer Farm ist nun ein Museum geworden.

Frau Blixen

Mich fasziniert Karen Blixen als Frau.
Denn sie entspricht in ihrem Tun nicht unbedingt dem, was man sich damals für eine Frau aus gutem Hause so vorgestellt hat. Schon allein die übliche Frauenkleidung zu dieser Zeit war vielleicht schicklich, aber unter tropischen Bedingungen völlig ungeeignet. Auch wird sie Mühe mit den hygienischen Bedingungen gehabt haben. Damals waren Tampons noch nicht erfunden und im Busch gibt es Tiere, die gute Geruchsorgane haben.
Außerdem ist das afrikanische Hochland zu keiner Zeit an Ort, an dem man sich so ohne weiteres von Syphilis, zwei Fehlgeburten oder der spanischen Grippe erholen kann.
Doch sie jammert nie.

Nach Missernten, Trockenperioden, Heuschreckenplagen, Weltwirtschaftskrise und Preissturz an der Kaffeebörse war Karen Blixen gezwungen, ihre völlig überschuldete Farm in Afrika aufzugeben.
Und das war verbunden mit der Rückher in den dänischen Gutshof sehr hart.

Sie starb 1962 an den Nachwirkungen der Syphilis auf ihrem Familiensitz.

Bilbliografisches

  • Titel: Jenseits von Afrika
  • Originaltitel: Den afrikanske Fam
  • Autor: Tania Blixen und Rudolf von Scholtz (Übersetzung)
  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag; Auflage: 6 (1. Oktober 1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499222221
  • Preis: 14,99 € (Kindle), 24,95 € (gebundene Ausgabe), 0,20 € (Taschenbuch gebraucht), 19,49 € (MP3 CD)
  • Amazonlink

Mit dieser Rezension beteilig ich mich an Daggis Buchchallenge 2017, Aufgabe 39: Lese ein Buch das in Asien, Afrika oder Australien spielt

Foto: Jenseits von Afrika – Buch und Film ©frau-sabienes.de
Text: Jenseits von Afrika von Tania Blixen (Rezension eines Klassikers) ©frau-sabienes.de

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8 Kommentare

  1. Herrlich. .ich bin seinerzeit dahingeschmolzen bei dieser Liebesgeschichte in Afrika. Den Film habe ich mir 10mal angesehen! Aber nun geht das gar nicht mehr. Ist ja schon eine ganze Weile her. Lg. Gabi

    1. @Gabi: Ich habe den Film auch sehr oft gesehen, wie oft weiß ich gar nicht mehr. Aber nachdem ich nun das Buch gelesen habe, musste ich unbedingt die DVD kaufen. Aber bislang hatte ich noch keine Zeit, sie mir anzusehen.
      LG
      Sabienes

  2. Liebe Christina Du bist so jung, da kannst Du den Film fast nicht kennen. Er erschien 1985 ! Frau Sabines, aber er war toll dieser Film!!
    Ich habe erst vor kurzem einen Beitrag geschrieben, wo ich genau diesen Satz von Tanja Blixen zum Vorbild hatte.
    Zu lesen ist er unter „Jeans und Löwen“ im Jänner 2017 unter der Rubrik Lieblingssachen.
    Ich finde das ziemlich lustig.Lg. Gabi

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