Sleeping Beauties von Owen und Stephen King [Rezension]

sleeping beauties rezension
Sleeping Beauties oder: Stephen und Owen King als Schlafmittel

In Dooling, einer Kleinstadt in den Apalachen werden alle Frauen, ob jung oder alt, Opfer einer seltsamen Schlafkrankheit. Denn sobald sie einschlafen, wird ihr Körper von einem insektenähnlichen Kokon umsponnen. Versucht man, sie von dem Kokon zu befreien, wachen sie auf und reagieren mit einer unglaublichen Aggression.
Aber nicht nur Dooling ist betroffen, die sogenannte Aurora-Seuche breitet sich weltweit aus.
Nur eine gewisse Evie Black, die sich im Zusammenhang mit einer Bluttat im Frauengefängnis von Dooling befindet, ist anscheinend immun. Dafür kann sie mit Hilfe von Telepathie mit Menschen und Tieren (besonders mit Motten und Ratten) kommunizieren.
Während der Gefängnispsychologe Clint Norcross versucht, diesem Phänomen auf die Spur zu kommen, strengt sich seine Frau Lila gehörig an, als Polizeichefin in der Stadt die Ordnung aufrechtzuhalten.
Denn schon formiert sich unter den Männern ein Mob. Manche machen sich einen Spaß daraus, die „Kokon-Tussen“ anzuzünden, andere wollen die geheimnisvolle Evie in ihre Gewalt bekommen.
Was keiner der Männer ahnt ist der Umstand, dass die schlafenden Frauen längst in einer Parallelwelt leben und dort ganz gut zurecht kommen. 

Stephen King und Owen King

Stephen Edwin King, Jahrgang 1947 gilt als der US-amerikanische Kult-Autor des Thriller-, Horror- und Fantasy-Genres. Viele seiner Werke wurden mit großem Erfolg verfilmt, zum Beispiel „Es“, von dem im letzten Jahr eine Neuverfilmung in die Kinos kam. Werke wie „The Green Mile“ oder „Shining“ sind in Buchform, sowie als Film weltberühmt und unerreicht.
Dieses Buch schrieb Stephen gemeinsam mit seinem Sohn Owen King, der sich bislang mit mehreren Veröffentlichungen erste Beachtung gefunden hat.

Ist Sleeping Beauties ein Frauenbuch?

Normalerweise würde ich eine solche Rezension in meinen Buchtipps auf Sabienes TraumWelten veröffentlichen. Da in diesem Buch den Frauen auf der ganzen Welt eine ganz herausragende Rolle zugedacht wird, passt sie auch ganz gut auf diesen Frauenblog. Und es stellt sich mir automatisch die Frage, ob es sich bei Sleeping Beauties um ein Frauenbuch handelt.

Ich denke nicht.

Die Autoren zeichnen hier eine Gesellschaft, in der viele Frauen Opfer von egomanischen, unsensiblen und gewaltbereiten Männern sind. Das ist auch in vielen Fällen leider eine Tatsache, die Vorkommnisse im Zusammenhang von #METOO bringen das ja überdeutlich an den Tag. Ich finde es aber wenig hilfreich, wenn dann eine übernatürliche Macht daherkommt und die Hälfte der weltweiten Bevölkerung in ein Paralleluniversum entführt. Dort richten sie es sich ganz gemütlich ein und züchten eine neue männliche Population heran. (einige der Frauen sind schwanger).
Ganz abgesehen davon, dass ich mir etwas Schöneres vorstellen kann, als eine Mädels-WG, scheint ja der Lerneffekt bei den Kerlen letztendlich relativ gering zu sein.

Gewalt

Außerdem ist das Thema Gewalt gegenüber Schwächeren nicht unbedingt nur ein männliches Thema, auch wenn diese auf Grund der gesellschaftlichen Strukturen und körperlichen Überlegenheit eher die Gelegenheit dazu haben.

Ganz generell gesagt, finde ich es immer und überall mehr als verwerflich, wenn man Gewalt gegenüber Schwächeren ausübt. Dabei sind die Motive der Täter ganz egal. Da kann jemand Filme produzieren, einen schlechten Tag haben oder ganz einfach in der Lage dazu sein: Gewalt ist schlecht.

Ich bin der Meinung, dass Sleeping Beauties das Problem nicht an der Wurzel packt und Frauen und Männer kaum gleichwertig oder gleichberechtigt nebeneinander stehen lässt. Dabei sollte auch nie das Ziel sein, dass Männer genauso empfindsam oder vorsichtig oder weiblich werden sollen wie Frauen – oder wie man es uns nachsagt. Denn im Frauenbild als solches steckt schon genauso viel Klischee, wie in diesem Buchtitel.
Männer müssen schon Männer bleiben, denn wir Frauen wollen ja auch keine männlichen Attribute an uns sehen.

Sleeping Beauties – Meine Meinung

Ich habe bislang nur wenige Bücher von Stephen King gelesen und bin kein großer Fachmann, was diesen Autor anbelangt.
Aber Sleeping Beauties ist mit Abstand das schlechteste Stephen-King-Buch, dass mir jemals untergekommen ist. Es gab nur ganz wenige Passagen, in denen mich der typische „King-Grusel“ überfallen hat. Es fanden sich zwar etliche blutige, drastische Szenen und zum Schluss werden auch [Spoileralarm On] zwei Zombiemädels [Spoileralarm Off] aus dem Hut gezaubert. Aber irgendwie wirkte das alles so … sinnlos … wenig ambitioniert.

Im Zusammenhang mit dem Frauenthema und dann auch noch gemessen an der Tatsache, dass ein Kaff in den USA der Dreh- und Angelpunkt einer weltweiten Veränderung darstellen, finde ich das Buch einfach nur misslungen.
Über die Motivation der Autoren, dieses Buch zu schreiben weiß ich nichts. Aber manchmal habe ich den Verdacht, dass sie sich damit an eine weibliche Leserschaft „anwanzen“ wollten. Vielleicht wollten sie auch Abbitte gegenüber der Frauenwelt leisten.

Hätte ich das Buch gelesen und nicht als Hörbuch gehört, hätte ich es vielleicht gar nicht zum Ende geschafft. Aber der Sprecher David Nathan hat mich so bei Laune gehalten, dass ich bis zum Ende durchgehalten habe.

Fazit:

Sleeping Beauties ist ein Buch für wahre King-Fans oder für Leser, die es einmal mit einem King-Light probieren wollen. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Vater-und-Sohn-Duo noch bessere Werke zustande bringen wird.

Bibliografisches

sleeping beauties buchcover
Bibliografisches zu dem Buch „Sleeping Beauties“
  • Titel: Sleeping Beauties
  • Autor: Stephen King, Owen King, Bernhard Kleinschmidt (Übersetzung)
  • Originaltitel: Sleeping Beauties
  • Gebundene Ausgabe: 960 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (13. November 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453271440
  • ISBN-13: 978-3453271449
  • Preis Stand Februar 2018: 28,00 € (Gebundene Ausgabe), 19,99 € (Kindle Edition) 16,99 € (MP3 CD, gelesen von David Nathan)
  • Bestelllink Amazon

(Alle Angaben ohne Gewähr)

Mit dieser Rezension beteilige ich mich an Daggis Buch-Challenge 2018. Aufgabe 37: Lese ein Buch das von einem Autoren-Duo geschrieben wurde.

Alle Fotos: Sleeping Beauties von Owen und Stephen King [Rezension] ©frau-sabienes.de
Text: Sleeping Beauties von Owen und Stephen King [Rezension] ©frau-sabienes.de

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4 Kommentare

  1. Oh Schade, das klingt ja nicht wirklich verlockend. Meiner Meinung nach tut man Stephen King Unrecht, wenn man ihn lediglich als Horror-Schreiberling sieht. Der Kampf zwischen Gut und Böse, Utopien und das Verhalten von Menschen in Extremsituationen sind durchaus große Themen. Da passt thematisch auch dieses Buch rein. Mal sehen ob es mir wie dir geht.

    1. @Anne: Nein, dass darf man ganz und gar nicht. Vor allen Dingen ist King ein kluger Kopf! An sich wäre das Thema dieses Buches recht interessant. Aber die Aufbereitung hat mir gar nicht gefallen.
      LG Sabienes

  2. Früher war ich ein echter Stephen-King-Fan. Aber ich habe den Eindruck, dass im Laufe der Jahre die Romane immer schlechter wurden – ich habe mich ernsthaft schon gefragt, ob er einfach „ausgeblutet“ ist, sich in eine andere Richtung entwickelt hat oder seine Bücher nicht mehr selbst schreibt.

    Ich fand das Buch auch eher mau und bin froh, dass ich es geliehen hatte.

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