Internationale Weltfrauentag und was ich davon halte …

Internationale Weltfrauentag und was ich davon halte …

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Internationale Weltfrauentag
Brauchen wir überhaupt einen Weltfrauentag?

Am letzten Freitag, also am 8. März war einmal wieder der Internationale Weltfrauentag.

Mancherorts ist es üblich, dass an diesem Tag die Männer ihren Frauen eine Rose schenken. Besonders in den neuen Bundesländern, in Russland und in manchen anderen kommunistischen Ländern ist dieser Tag ein wichtiger Feiertag. Oder sagt man da Gedenktag?

Andere Bezeichnungen für den Weltfrauentag lauten übrigens: Internationale Frauentag, Frauenkampftag, Internationaler Frauenkampftag oder Frauentag. Oder im Sprech der Vereinten Nationen: Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden. 

Egal, wie er heißt: Ich halte einen solchen Tag als für verlogen.

Wieso gibt es den Weltfrauentag?

Anfang des letzten Jahrhunderts wurde auf eine Initiative von mehreren sozialistischen Organisation unter der Führung von Clara Zetkin dieser Tag ins Leben gerufen. Er wurde erstmals am 19. März 1911 begangen. Damals ging es den Frauen um sehr grundlegende Forderungen. Zum Beispiel war zu dieser Zeit die Einführung des Frauenwahlrechts das ganz große Thema.
Das passive, sowie das aktive Wahlrecht haben wir ja inzwischen.
Aber mit den anderen Forderungen, wie zum Beispiel nach Gleichberechtigung sieht es nach wie vor nicht wirklich gut bei uns aus.

Ist der Weltfrauentag der Muttertag des Ostens?

weltfrauentag pralinen
Pralinen zum Weltfrauentag – Gesehen in St. Petersburg

Zumindest kam mir das so vor, als wir vor fünf Jahren zufällig am 8. März St. Petersburg besucht hatten. Die Geschäfte waren voller spezieller Geschenke, meist Pralinenschachteln. Viele Frauen erhielten Blumen – entweder einzeln oder im Gebinde. Und es war eine Kunst, in den Restaurants einen freien Tisch zu ergattern.

An was erinnert uns das?
Genau.
An den Muttertag.

Dabei würde man mit dieser Behauptung dem Weltfrauentag Unrecht tun.
Denn die Nationalsozialisten, für die eine Frau ja in erster Linie Ehefrau und vor allen Dingen eine Mutter zu sein hatte, schafften diesen Tag zu Gunsten des Muttertags ab. Witzig ist hier aber, dass trotzdem der Widerstand blühte. Zufällig mussten allerorten am 8. März rote Gegenstände „zum Lüften“ nach draußen geschafft werden.

Warum aber in der frischgebackenen Bundesrepublik der Weltfrauentag zu Gunsten des Muttertags unter den Teppich gekehrt worden ist, weiß ich nicht.

Ich halte beide Tage gewissermaßen für verlogen.

Tatsächlich brauche ich keine Rose und auch keinen Weltfrauentag!

Ich möchte am Weltfrauentag lieber keine Rose (oder Pralinen oder eine Flasche Piccolo) erhalten. Denn ich will diesen Tag nicht haben.
Es geht einfach nicht, dass sich Männer, Institutionen, Firmen, Behörden und die Politik mit einem solchen Tag samt Präsente von der Gleichberechtigung freikaufen. Und ich stelle meine Kritik an diesem Gedenktag einmal ganz provokativ in den (virtuellen) Raum.

Ich kritisiere am Weltfrauentag, dass:

  • Frauen für gleiche Arbeit immernoch nicht den gleichen Lohn erhalten.
  • Es auf Grund mangelhafter Kinderbetreuungsplätze für Mütter kaum möglich ist, einer sinnvollen beruflichen Tätigkeit nachzugehen.
  • Es in Behörden und großen Betrieben eine Frauenquote braucht, um eine Personalpolitik zu betreiben, die eigentlich selbstverständlich sein sollte.
  • Frauen weiterhin eher von Altersarmut betroffen sind.
  • Hausarbeit, Putzen, Kochen weiterhin hauptsächlich in unsere „zarten Frauenhände“ gehört und Paare sich diese Aufgaben nicht teilen können oder wollen.
  • Sexualstraftäter vergleichsweise milde bestraft werden. Sexueller Missbrauch ist nämlich kein Kavaliersdelikt und war auch nie eines.
  • Frauen, die Opfer eines Sexualdeliktes wurden, immer eine heimliche Mitschuld aufgebrummt wird.
  • Es sich eine große Immobilienfirma einen solchen Fauxpas erlauben darf.

Der letzte Weltfrauentag

Wenn das alles erledigt ist, können wir den letzten Weltfrauentag feiern, weil es dann keinen Bedarf mehr für ihn geben wird.
Und dazu darf man mir gerne eine Rose überreichen.

Aber merke: Der Besuch eines Männerstrips, wie von den Chippendales oder ähnliches abgeliefert wird, ist vielleicht eine nette Unterhaltung. Sowas hat aber nichts – rein gar nichts! – mit Emanzipation zu tun. Das ist ein Akt von verkrampfter Gleichmacherei und liefert manchen Männern bloß weitere Argumente und Rechtfertigungen für ihre kommenden sexistischen Handlungen.


Was haltet ihr vom Weltfrauentag?


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Alle Fotos: Internationale Weltfrauentag und was ich davon halte … ©frau-sabienes.de mit Hilfe eines kostenlosen Stockfotos von Rachael Crowe
Text: Internationale Weltfrauentag und was ich davon halte … ©frau-sabienes.de

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Zusammenfassung:
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Thema
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Beschreibung
Meine Kritik am Internationalen Weltfrauentag am 8. März. Ein Gedenktag für Frauenrechte und Gleichberechtigung. Aber da gibt es noch viel zu tun
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4 Gedanken zu „Internationale Weltfrauentag und was ich davon halte …

  1. Da rennst du bei mir offene Türen ei – ich finde diesen Feiertag ebenfalls unnötig. Das erste mal damit in Berührung gekommen bin ich, als vor ca. 15 Jahren mein damaliger Kollege eine russische Freundin hatte und diese ein Geschenk zu diesem Tag erwartet hat. Aber der wahre Sinn erschließt sich mir nicht – es wäre doch wichtiger, während des gesamten Jahres die Gleichberechtigung gelebt zu bekommen als an einem Tag im Jahr eine Rose zu erhalten. Genauso brauche ich keinen Muttertag – ich würde nie von meinen Kindern erwarten, dass es zu diesem Anlass ein Geschenk gibt; entweder man hat ein gutes Verhältnis zu den Kindern, dann ist das ohnehin das ganze Jahr gegeben, oder es funktioniert nicht, dann bringt dieser Tag auch nichts. Danke für diesen sehr interessanten Beitrag.
    Hab einen wunderbaren Abend und alles Liebe

  2. Da bin ich ganz bei Dir. Der Tag ist in dieser Form ebenso unnötig wie der Muttertag oder der Valentinstag, wenn es nicht um die Sache geht.

    Mir ist viel wichtiger, dass es im Alltag funktioniert, und zwar auf beiden Seiten.

    Liebe Grüße Sabine

  3. Den Weltfrauentag – und in diesem Jahr der 100. Geburtstag des Frauenwahlrechts – nutze ich, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Gleichberechtigung immer noch nicht erreicht ist und dass wir Frauen wie Clara Zetkin dankbar sein müssen, dass sie für die Rechte der Frauen gekämpft haben, als sie überhaupt keine hatten. Ich kann nur dazu auffordern, mehr Frauen mit der richtigen Einstellung in politische Verantwortung zu bringen. Frauen wählt Frauen!

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