Harninkontinenz – Was ihr über das Thema Blasenschwäche wissen solltet

Harninkontinenz – Was ihr über das Thema Blasenschwäche wissen solltet

Harninkontinenz
Heute geht es um das Tabuthema Harninkontinenz

Als ich damit begann, über das Thema Harninkontinenz oder Blasenschwäche zu recherchieren, war ich über die Statistik schockiert.
Man schätzt nämlich, dass rund die Hälfte aller Frauen in den Wechseljahren mit diesem Problem konfrontiert sind. Aber da die Dunkelziffer so hoch ist, gibt es keine allzu verlässlichen Statistiken.

Harninkontinenz ist nicht schön, ziemlich peinlich und gilt als DAS Tabuthema – auch wenn viele von uns damit zu tun haben. Deswegen wird es einmal höchste Zeit, dass wir damit aufräumen.

Was bedeutet Harninkontinenz überhaupt?

Ihr kennt den Begriff vielleicht auch unter der Bezeichnung Blasenschwäche.
Harninkontinenz bedeutet, dass man als Betroffener mit unerwünschten Abgang von Harn in kleinen oder großen Mengen zu tun hat. Auch wenn man nur ein paar Tröpfchen verliert, gehört man bereits in den Club der Inkontinenten.

Es gibt hier natürlich auch verschiedene Formen. Hier einmal die wichtigsten:

  • Belastungsinkontinenz (das „nervöse Bläschen“, wenn man unter Stress steht)
  • Dranginkontinenz (man muss so nötig, dass man es nicht mehr zur Toilette schafft)
  • Reflexinkontinenz (selbst geringe Harnmengen können nicht gehalten werden)
  • Überlaufinkontinenz (man wird nicht rechtzeitig „gewarnt“, dass man zur Toilette muss.)

Übrigens leiden auch Männer unter Harninkontinenz, aber meistens aus anderen Gründen.

Harninkontinenz in den Wechseljahren

Harninkontinenz in den Wechseljahren
Warum sind wir Frauen in den besten Jahren ganz besonders davon betroffen?

Natürlich können auch junge Frauen mit solchen Problemen zu tun haben. Aber Frauen in den Wechseljahren sind von Harninkontinenz besonders häufig betroffen.
Schuld sind einmal wieder die Hormone und in diesem Fall ganz besonders das Östrogen. Der Östrogenmangel in den besten Jahren bedingt, dass unsere Schleimhäute dünner und unelastischer werden. Dazu kommt eine Erschlaffung der Muskulatur am Beckenboden, so dass die Blase nicht mehr gut gehalten wird. Es entsteht eine sogenannte Blasensenkung und wahrscheinlich habt ihr diesen Begriff schon einmal gehört.

Welche Frauen können von Harninkontinenz besonders betroffen sein?

Diese wechseljahrtypischen Veränderungen im Körper gehen mit anderen Bedingungen Hand in Hand:

  • Frauen, die mehrere Geburten gehabt haben
  • Frauen, die schwere körperliche Arbeit verrichten müssen
  • Übergewicht spielt natürlich auch eine große Rolle
  • Frauen, die sich wenig bewegen
  • Frauen, die häufig mit Blasenentzündung zu tun haben

Was könnt ihr gegen Harninkontinenz unternehmen?

Jetzt habe ich vielleicht – ohne es zu wollen – bei euch verschiedene Ängste geweckt. Aber macht euch keine Sorgen! Ihr könnt gegen Blasenschwäche sehr viel unternehmen. Und dabei ist es ist gar nicht so wichtig, ob ihr bereits betroffen seid oder Vorsorge treffen wollt.

Harnanhalten verboten!

Wir Mädels neigen leider dazu, den Harn anzuhalten. Aus verschiedenen Gründen.
Und das ist gar nicht gut! Auch aus verschiedenen Gründen.

Beckenbodengymnastik

Beckenbodengymnastik ist das A und O und wahrscheinlich habt ihr davon schon während der Schwangerschaft gehört.
Die allereinfachste Übung, die ihr immer und überall machen könnt, geht so:

  • spannt die Schließmuskeln der Blase für ein paar Sekunden an
  • lasst wieder locker
  • wiederholt dies so oft, wie es gerade möglich ist.

In den nächsten Wochen wird es auch noch ein paar Vorschläge auf meiner Seite mondyoga.de dazu geben.

Sport machen

Wenn ich sage, ihr sollt Sport machen, meine ich damit keinen Hochleistungssport. Ich will euch auffordern, die Couch zu verlassen und euch zu bewegen! Warum Sport für Frauen in den besten Jahren einfach sehr wichtig ist, habe ich hier schon einmal beschrieben.

Slipeinlagen

Es gibt verschiedene Slipeinlagen für verschiedene Bedürfnisse und es ist keine Schande, sie zu tragen. Aber seid euch bitte bewusst, dass ihr damit eine reine Symptombewältigung betreibt.

Pessar

Viele Frauenärzte und Urologen empfehlen bei Harninkontinenz ein Pessar. Mit einem solchen Hilfsmittel können Blase und Harnröhre gestützt werden. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen und sind sehr komfortabel einzusetzen oder zu entfernen.

Hormontherapie

Auch wenn ich bei einer solchen Therapie meine Zweifel habe, kommen einige Frauen sehr gut damit zurecht. Anscheinend ist eine solche Therapie besonders bei einer Stressinkontinenz hilfreich.

Operation

Es gibt die Möglichkeit, operativ die Blase zu heben und zu stabilisieren. Die Erfolgsquote soll dabei recht hoch sein, die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. Dennoch sollte ein operativer Eingriff immer die letzte Wahl sein.

Offenheit

Wenn ihr Probleme mit Harninkontinenz habt, müsst ihr offen mit eurem Arzt darüber reden. Auch wenn dies immer noch zu den Tabuthemen gehört, hilft euch verschämtes Verschweigen auch nicht weiter.
Nur wer offen ist, dem wird geholfen!

Zum Schluss:

Normalerweise frage ich euch am Ende eines Artikels immer, welche Erfahrungen ihr mit dem jeweiligen Thema gemacht habt.
Ich bin mir beim Thema Blasenschwäche gar nicht so sicher, ob jemand von euch darüber sprechen möchte.
Deswegen werde ich euch mal meine eigenen Erfahrungen berichten:

Ich habe Glück!

Mir haben einige junge Frauen von ihren Problemen mit Harninkontinenz berichtet, nachdem sie entbunden hatten. Ich weiß von dem Stress, den manche ältere Frau damit hat.
Aber obwohl ich ein bisschen zur Risikogruppe gehöre (zwei Schwangerschaften, ständige Blasenentzündungen), blieb ich bislang davon verschont. Vielleicht liegt das daran, dass mir bereits in jungen Jahren das Geheimnis des Beckenbodentrainings nahe gebracht wurde.
Und seither bin ich fleißig am traininieren. 

Doch ich muss zugeben, dass ich nach meinem schweren Unfall 2014 einige Wochen Probleme gehabt habe und damals Slipeinlagen trug. Nachdem ich mich aber von dem Wirbelbruch und der Operation erholt hatte, war auch sonst wieder alles gut.
Aber diese Erfahrung gab mir schon zu denken.

Weitere Informationen zu diesem Thema:

Hier könnt ihr euch weiter informieren und austauschen:

Ich habe zu diesem Thema viel gelesen und recherchiert. Am meisten haben mir diese Quellen geholfen:

Tabuthema harninkontinenz

Alle Fotos: Harninkontinenz – Was ihr über das Thema Blasenschwäche wissen solltet ©frau-sabienes.de unter Verwendung eines Stockphotos von Pezibaer/pixabay.com
Text: Harninkontinenz – Was ihr über das Thema Blasenschwäche wissen solltet ©frau-sabienes.de

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Zusammenfassung:
Harninkontinenz - Was ihr über das Thema Blasenschwäche wissen solltet
Thema
Harninkontinenz - Was ihr über das Thema Blasenschwäche wissen solltet
Beschreibung
Unter Harninkontinenz oder Blasenschwäche leiden viele Frauen. Hier erfahrt ihr alles, was ihr über dieses Tabuthema wissen müsst und wo ihr Hilfe bekommt.
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2 Gedanken zu „Harninkontinenz – Was ihr über das Thema Blasenschwäche wissen solltet

  1. Hallo,

    ich trau mich mal mit einem Kommentar nach vorne. Vor gut einem Jahr wurde mir die Gebärmutter entfernt. Grund dafür war eine extreme Senkung, die mit Rückenschmerzen einherging, seltsamerweise aber nicht mit Inkontinenz, obwohl die Blase auch arg runter war. Bei der OP wurde sozusagen gleich ein Lifting für die Blase mitgemacht, sodass ich auch hinterher, obwohl nach der Gebärmutterentfernung wohl bei vielen Frauen die Inkontinenzprobleme erst losgehen, weil die innere Stabilität im Becken durcheinander gerät, keine derartigen Probleme hatte.

    Damit dies so bleibt, habe ich mich intensiv mit Beckenbodentraining beschäftigt. Zuerst habe ich Cantienica für mich entdeckt. Das ist eine Yogaart, die sich sehr mit der Aufrechten, von daher auch mit dem Beckenboden, beschäftigt. Schon da habe ich ungeahnte Zusammenhänge in meinem Körper kennen gelernt. Ich wusste z.B. vorher nicht, dass beim Zusammenziehen der Augenbrauen und Stirnrunzeln der Beckenboden aktiviert wird. Das ganze war mir allerdings etwas zu esoterisch (lag v.a. an der anleitenden Person). Darum bin ich nochmal zur Physiotherapie gegangen, und zwar in eine auf Frauen spezialisierte Praxis. Da ging es ziemlich sportlich zu und vieles lief v.a. über den Kopf, was mich mehr angesprochen hat. Mir hat das sehr geholfen und ich fühle mich „untenrum“ sehr stabil, obwohl ich ja vorher keine wirklichen Blasenprobleme hatte. Ich hoffe, ich kann dem auch gut vorbauen und kann gerade die gezielte Physiotherapie in ihren aktiven Teilen auch zur Prophylaxe sehr empfehlen.

    LG Iris

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