Persönlichkeitsrechte und das Recht am eigenen Bild

persönlichkeitsrechte
Über das Recht am eigenen Bild

Persönlichkeitsrechte: Unter diesem Begriff können wir uns bestimmt alle irgendwas vorstellen. Dies gilt wahrscheinlich auch für den Grundsatz des Rechts am eigenen Bild.
Bei Kinderfotos scheinen diese Rechtsgrundlagen für viele User und Blogger eine ganz neue Erkenntnis zu sein.
Und da ich selbst Facebook-Userin, Bloggerin, Mutter und Hobbyfotografin bin, schreibe ich heute einmal über einen Umstand, der nicht so ganz das Thema meines Blogs betrifft. Dafür berührt es mich aber sehr.

18-Jährige verklagt ihre Eltern

Diese Nachricht hat mich fast von den Socken gehauen.
Eine 18-jährige Österreicherin verklagt ihre Eltern, weil diese seit Jahren Kinderfotos von ihr auf Facebook posten.

Sie kannten keine Scham und keine Grenze. Ob ich auf dem Töpfchen saß oder nackt in meinem Kinderbettchen lag – jeder Schritt von mir wurde fotografisch festgehalten und nachträglich öffentlich gemacht“

Der Vater wollte laut eigenen Aussagen ein nettes Familienalbum für den Familien- und Freundeskreis zusammenstellen und hat deswegen für mehr als 700 Facebook-Follower über 500 Fotos seiner Tochter hochgeladen.
(Hier ein Artikel auf welt.de)

Persönlichkeitsrechte von Kindern

Ich kann es ja verstehen.

Vor über 20 Jahren gab es für mich noch kein zugängiges Internet. Ansonsten hätte man mich vielleicht nur schwer davon abhalten können, nicht alle unglaublich süßen, lieben, herzigen, goldigen Fotos meiner unglaublich süßen kleinen Jungs der ganzen Welt zu zeigen.
Dabei ist es schon ein Unterschied, ob man als frischgebackene Eltern ein Babyfoto teilt oder ob die sommerliche Planschbecken-Gaudi mit den kleinen Nackedeis hochgeladen werden muss. Denn wie wir wissen, vergisst das Netz nichts und man muss damit rechnen, dass die Kinder einmal wegen solcher Fotos zum Gespött werden.
Und wie wir auch wissen, gibt es Menschen, denen es nach solchen Fotos regelrecht gelüstet.
Kleinkindfotos als Wichsvorlage? Nicht auszudenken!
(Hier eine sehr gelungene Kampagne der Polizei NRW Hagen zu diesem Thema)

Und nun kritisiere ich auch mal ganz offen diejenigen Bloggerinnen, die auf ihrem Mamablog oder Produkttestblog Fotos von ihren Kindern mit einbeziehen und zwar so, dass man die Kiddies gut erkennen kann.
Ich weiß, dass manche Kooperationspartner solche Fotos haben wollen, weil sie authentisch sind. Aber das für mich ein Ding der Unmöglichkeit, besonders wenn das Kind noch nicht explizit in dem Alter ist, in dem es einer Veröffentlichung konkret zustimmen kann.
Wenn ein solches Bild dann auch noch als Beitragsbild  x-mal auf Facebook platziert wird, frage ich mich, ob die neue Babycreme oder das bunte Holzspielzeug einer solchen Verletzung der Persönlichkeitsrechte Wert war. sonnenbrille

Manche Bloggerinnen fotografieren ihre Kinder so, dass man nur von hinten sieht, der Kopf abgeschnitten ist oder unscharf sind.
Wenn eine Review schon mit Kinderfotos garniert werden muss, dann ist dies die bessere Lösung.

Und wenn ich schon am Meckern bin: Ein Profilfoto, das aus Mutter mit Kind besteht, finde ich auch doof. Ich frage mich dann immer, ob sich diese Frau allein über ihre Mutterschaft definiert.

Das Recht am eigenen Bild

Der Grundsatz des Rechts am eigenen Bild besteht seit dem Anfang des letzten Jahrhunderts und besagt laut § 22 des KunstUrhG unter anderem folgendes:

Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Die Einwilligung gilt im Zweifel als erteilt, wenn der Abgebildete dafür, dass er sich abbilden ließ, eine Entlohnung erhielt.“

Das gilt übrigens nicht bei Großveranstaltungen oder wenn man das Brandenburger Tor fotografiert und einem ein paar Passanten ins Bild laufen. kamera

Da Kinder bis zu einem gewissen Alter noch nicht selbst für ihre Rechte eintreten können, müssen die Eltern dies für sie übernehmen. Dazu gehört auch, dass sie sich auch für deren Persönlichkeitsrechte einsetzen und keine Kinderfotos einstellen, auf denen man ihr Kind erkennen könnte. Oder Fotos, die dem Kind einmal peinlich sein könnten. Oder die irgendeinen Dreckskerl auf falsche Gedanken bringen könnten.

Besonders im Internet.

Und gerade auf Facebook.

Foto: Bild einer Ausstellung über das Leben in den 60er Jahren in Nordspanien ©frau-sabienes.de
Kleine Gifs: Wanderlust ©Little Sister Studio
Text: Persönlichkeitsrechte und das Recht am eigenen Bild ©frau-sabienes.de

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8 Kommentare

  1. Hallochen,

    ich sehe das genau wie du und wie wahrscheinlich fast alle, die sich dazu äußern. Trotzdem finde ich es übertrieben, wenn die Tochter dann die Eltern anzeigt. Anscheinend ist bei denen die Eltern-Kind-Beziehung dermaßen im Eimer, dass man sich nicht darauf einigen kann, die Fotos schlicht und ergreifend erstmal aus dem Profil zu entfernen. Dass die natürlich schon längst überall und nirgends im Netz rumgeistern können, ist klar und leider nicht mehr kontrollierbar. Und wenn der Vater das Album erst kürzlich hochgeladen hat, dann hätte er das wirklich mit seiner Tochter absprechen MÜSSEN, da sie schon länger das entsprechende Alter hat.

    Ganz besonders bei dir bin ich übrigens bei dem, was du über Mami-Kind-Profilbilder schreibst. Gibt sogar welche, die z.B. bei WhatsApp nur das Kind zeigen und gar nicht mehr sich selbst. Da hat die Mutterschaft ganz offensichtlich einen Schalter umgelegt, der den Rest des Lebens und der Welt ausknipst. Witzig ist es, wenn man bei genau solchen Muttis dann liest, dass sie sich dagegen wehren, auf Kind/Küche/Haushalt reduziert zu werden 😉 Das sind dann nämlich genau die, die in ein schwarzers Loch fallen, wenn das Kind beginnt, sich abzunabeln. Die haben dann plötzlich keine eigenen Interessen mehr und müssen sich mühsam wieder ins kindlose Sozialleben zurückarbeiten.

    Als meine beiden klein waren, also vor 28 (23) Jahren, besaßen wir Eltern ja gar nicht die technische Möglichkeit, immerfort per Handy oder Digitalkamera Bilder zu machen, geschweige denn sie irgendwo zu verbreiten. Da gibt es dann auch nur sehr ausgewählte Schnappschüsse. Interessant finde ich dabei heute, dass meine Kinder sich einige dieser Fotos selbst digitalisiert haben und sie nun als Profilbilder verwenden. Falls ich auch drauf sein sollte, fragen sie mich, ob sie es dürfen. Mich persönlich nerven Eltern sehr, die ihre Sprößlinge pausenlos fotografieren. Und das nich nur einmal pro Motiv, sondern gleich xmal. Und am besten am nächsten Tag in gleicher Situation wieder. Da stellen sich manche Kinder beim Spielen schon von selbst in Positur, bis der Papa endlich mal fertig ist und Zeit zum Mitspielen hat, oder sie werden maulig, weil es dauernd heißt „Guck mal her“, was sie ständig aus ihrer Beschäftigung reißt.
    LG Iris

    1. @Iris: Ich denke auch, dass es in dieser Familie noch andere Probleme geben dürfte. Aber diese Konsequenz muss man sich mal vorstellen! Also – wenn dieses Beispiel Schule macht! Nicht auszudenken, wenn die ganzen Kiddies, die wir jetzt auf FB zu sehen kriegen, in 10-15 Jahren vor den Kadi ziehen. Tragisch ist es natürlich, wenn sich die Eltern gar keiner Schuld bewusst sind. Aber Dummheit ist natürlich auch so eine Art Schuld.
      Was du über die Muttis mit Kinderbild im Profilbild sagst, sehe ich genauso. Vielleicht wird auf diese Weise auch ein vielleicht eingebildetes Unvermögen kompensiert.
      Da ich immer schon fotografiert habe, sind meine Kinder natürlich tausendfach abgelichtet worden und haben oft sogar darum gebeten. Die meisten Bilder verrotten nun als Dia ….
      LG
      Sabiene

  2. Hallo Frau Sabienes,
    Kosmetik, Feminismus und Gesellschaft im allgemeinen sind eigentlich nicht meine Themen. Allerdings bewegt dass Thema viele.

    Hierbei finde ich, spielen zwei wichtige Dinge eine Rolle. Das hochladen von Fotos ist ja von den Eltern ersteinmal nicht böse gemeint. Ich schätze, es war keine Absicht der Eltern, dem Kind die Privatsphäre zu nehmen. Soweit – so gut.

    Der Augenblick, an dem das Kind aber den Eltern verdeutlicht hat, dass es das nicht will, wäre der späteste Zeitpunkt gewesen die Notbremse zu ziehen. Es sind ja nur wenige Klicks, ein Fotoalbum auf privat zu stellen.

    Wie kann man so einem Wunsch der Tochter nicht nachkommen? Für mich unverständlich. Die Eltern stellen sich, meiner Meinung nach, ihr eigenes Armutszeugnis aus.

    Mal sehen welches Urteil dabei rumkommt!
    Grüße aus dem Pott,
    chris

    1. @Chris: Der Meinung bin ich auch. Ich denke und hoffe, das die meisten Eltern vor lauter Begeisterung über ihre Kinder übers Ziel hinausschießen. Und vor wenigen Jahren war man sich der Tragweite oft nicht so bewusst. Aber wie du schon sagst: spätestens, als die Tochter um die Löschung gebeten hat, hätten die Eltern dem nachkommen müssen.
      Ich bin auch sehr auf das Urteil gespannt!
      Danke, dass du mal themenübergreifend auf meinem Blog gelandet bist!
      LG
      Sabienes

  3. Hey Sabines,

    Ja, den Artikel habe ich auch gelesen und ich war auch etwas überrascht. Vor allem von der Reaktion des Vaters. Ich finde es schade, dass Eltern das Wohl ihrer Kinder oft irgendwie egal ist. Ich kann dir da nur recht geben. Klar möchte man als Freundin dann schon ab und zu mal sehen, wie groß die Kleinen geworden sind, aber dafür ist man Freundin und kann das dann auch anders zu sehen bekommen. Ich versteh das auch immer nicht so richtig. Allerdings kann ich mir auch gut vorstellen, wie das ist, wenn man gerade vor Glück platzen könnte. So ging mir das mit meiner Hochzeit. Am liebsten hätte ich die ganzen Bilder auf FB gepostet. Ich konnte mich da gerade noch zurück halten (ok, und weil mein Mann mich sonst einen Kopf kürzer gemacht hätte).

    Lg Mel

    1. @Mel: Verstehen kann ich das auch und ich wäre echt in Gefahr, wenn meine Kinder noch klein wären – das gebe ich mal zu.
      Die Tragweite dieser Angelegenheit erschüttert mich sehr.
      LG
      Sabienes

  4. Da kann ich nur nickend zustimmen. Es gibt Fotos von meinen Söhnen auf meinem Blog, aber nur ganz wenige. Und ich habe sie vorher um Erlaubnis gebeten, dass ich die Bilder veröffentlichen darf. Das mache ich nicht nur bei meinen Kindern so, sondern auch bei anderen Personen.

    Liebe Grüße Sabine

    1. @Sabine Gimm: Ich handhabe das auch so. Aber ich denke, dass die jüngere Generation viel, viel lockerer mit der Weitergabe von Daten oder Fotos im Internet umgeht, als vielleicht wir es von unseren Eltern noch gelernt haben.
      Es ist schon verrückt, welche Statusmeldungen man manchmal auf Facebook liest – mit dem Realnamen veröffentlicht. Und da kann man sich den Mund fusselig reden, es wird einem nicht geglaubt.
      LG
      Sabienes

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