# METOO – Wenn Sex zu einem Machtinstrument verkommt

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#METOO und warum Sex kein Machtinstrument sein darf

Als ich im Oktober das erste Mal etwas über den Weinstein-Skandal und dem Hashtag METOO gehört habe, war ich über dessen Ausmaße sehr entsetzt und zugleich empört. Und es fällt mir immernoch schwer, einen Artikel über dieses vielschichtige Thema zu schreiben, ohne ausfallend zu werden.
Aber ich versuche es trotzdem einmal.

Der Weinstein-Skandal und #METOO

Der Hollywoodproduzent Harvey Weinstein hatte es wohl jahrelang mit dem Prinzip der „Besetzungscouch“ „übertrieben“. Und so wurden ab Mitte Oktober 2017 erstmals Vorwürfe gegen ihn wegen mehrfacher sexueller Nötigungen laut. Die Schauspielerin Alyssa Milano rief dabei über Twitter Frauen auf, sich unter dem Hashtag Metoo gegen Weinstein zu versammeln. Dabei gaben bekannte Stars wie Rosanna Arquette, Kate Beckinsale, Gwyneth Paltrow, Salma Hayek, Daryl Hannah und viele viele andere an, von dem Miramax-Gründer auf übelste Weise angegrapscht worden zu sein.
Im Laufe der Debatte zeigte sich, dass nicht nur Frauen Opfer von sexueller Nötigung sein können. Auch der berühmte Schauspieler Kevin Spacey wurde von einem jungen Kollegen wegen einem äußerst unangemessenen Verhalten beschuldigt.
Und in Deutschland kann sich nun wahrscheinlich auch Regisseur Dieter Wedel in die Riege der schwanzgesteuerten Ekelpakete einreihen. Zumindest bleibt ihm dieser Vorwurf von mehreren Kolleginnen nicht erspart.

Warum erst jetzt?

Als erstes muss man sich natürlich die Frage stellen, warum es so lange gedauert hat, bis diese Anschuldigungen ans Licht der Öffentlichkeit gelangt sind. Schließlich sind Frauen wie Salma Hayek oder Daryl Hannah keine dummen Dinger, sondern mächtige Größen in Hollywood, die es verstehen, sich Gehör zu verschaffen. Frauen, denen man glauben müsste und die die Mittel haben, sich zu wehren.
Dafür mag es verschiedene Gründe geben. Einer davon ist vielleicht der, dass man als Frau ziemliche Schwierigkeiten bekommen kann, wenn man keine handfesten Beweise in der Hinterhand hat. Eine ins Ohr geflüsterte obszöne Aufforderung oder eine Bedrängung hinter verschlossenen Türen ist nicht immer so leicht nachzuweisen. Oder man rüstet sich vorsichtshalber vor jedem Meeting schon mal mit einem Abhörgerät und versteckter Kamera aus.
Ich selber stand auch schon einmal vor dem Problem, mich den Anzüglichkeiten eines Kollegen zu erwehren. Ohne Zeugen kann da wirklich nicht viel machen. Denn jedes Wort, jede Handlung kann gegen einen selbst ausgelegt werden. Ich kann aber wirklich nur einen ganz, ganz kleinen Hashtag METOO setzen, da gibt es viel ernstere Fälle.
Aber dieser Vorfall hatte mir damals als junge Frau schon sehr zu denken gegeben.

Der schlimmste Feind der Frau

Ein anderer Grund ist vielleicht der, dass sich Frauen selten zu einer solchen Macht solidarisieren wollen. Denn der schlimmste Feind der Frau ist ja oft eine andere Frau.

So plapperte dann das in die Jahre gekommene Ex-Sex-Symbol Brigitte Bardot ganz unverfroren über Schauspielerinnen, die sich gegenüber Produzenten als „Anmacherinnen“ aufführten.

 „Danach erzählen sie, dass sie belästigt wurden, damit man von ihnen redet… In Wirklichkeit schadet ihnen das, statt ihnen zu nützen.“ (Quelle: Spiegel-Online)

Jetzt ist natürlich die Brigitte als Anhängerin des rechtsextremen Front National (FN) nicht unbedingt jemand, auf deren Meinung man hören sollte.

Aber auch die Ikone Catherine Deneuve äußerte sich ziemlich unpassend und etwas vorschnell mit einem Aufruf für die „Freiheit zu belästigen“. Zwei Tage später musste die Schöne dann wieder zurückrudern (siehe Spiegel-Online). Sie sei halt falsch verstanden worden.
Hoffentlich.

Einen anderen Weg ging Sophia Thomalla. Sie posierte sich mit viel Bein, Straps und Tattoo auf Instagram und behauptete:

„Der wahre Grund, warum ich die Rolle bekommen hab“ (Quelle: TZ)

Mit diesem Posting bewies die Aktrice sehr viel Humor und ehrliche Selbsteinschätzung. Aber es war wohl auch die falsche Aussage zur falschen Zeit.

Die armen Männer

Inzwischen greift einmal wieder eine totale Verunsicherung unter den Männern um sich. Sie dürfen nicht mehr flirten oder den Playboy nur noch heimlich lesen. Und dann kommt plötzlich wieder so ein sündiges Weib á la Kim Kardashian daher, dass sich nur über ihre aufgeplusterten Brüste, Hintern und Lippen definiert. „Ja, wo soll man da mit seinen ganzen Hormonen hin?“, fragen sich viele.

Nun mal halblang, Jungs, denke ich mir dann.

Es wird nämlich viel übertrieben.

Sex als Machtinstrument

Das Allerschlimmste an der ganzen Diskussion und an den Vorfällen ist ein ganz anderer Punkt.
Sexualität ist nämlich etwas ganz Wunderbares. Was wären wir ohne körperliche Nähe zu einem geliebten Menschen, ohne Verlangen, ohne Emotionen.
Wenn Sex aber zum Machtmittel verkommt, ist das das Schlimmste, was es gibt. (Und das ist nicht neu für mich, dass habe ich bereits in diesem Artikel gesagt)
Und wenn ein Harvey Weinstein als Typ der Sorte „fieser Fettsack“ nur noch über Machtmissbrauch eine junges süßes Starlet ins Bett zerren kann, dann ist das ein Verbrechen.
Das gilt auch für Übergriffe homosexueller Natur und selbstverständlich auch für sexuelle Nötigung, die Frauen an Männern begehen.

Das alles ist Machtmissbrauch.

Natürlich gilt das im gleichen Fall, wenn eine Frau fälschlicherweise einen Mann des sexuellen Übergriffs beschuldigt. Eine solche Tat kann für das Opfer schwere seelische und existentielle Folgen nach sich ziehen und ist ein Verbrechen.

Auch das ist eine Form des Machtmissbrauchs.

Sex hat nichts mit Macht zu tun, sondern sollte immer eine Form des freiwilligen Geben und Nehmens darstellen.

Wer das nicht verstanden hat, hat nach meiner Meinung das Wesentliche im Leben noch nicht gelernt.

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Alle Fotos: # METOO – Wenn Sex zu einem Machtinstrument verkommt ©frau-sabienes.de
Text: # METOO – Wenn Sex zu einem Machtinstrument verkommt ©frau-sabienes.de

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5 Kommentare

    1. @Romy: Da scheint sich wirklich nichts geÀndert zu haben! Zur Not lamentieren die MÀnner, dass sie nun vor lauter Frauenbewegung gar keine Rechte mehr haben ^^
      LG
      Sabienes

  1. es ist so ein facettenreiches und unglaublich schwieriges thema, zu dem es echt nicht leicht ist, stellung zu beziehen. also natĂŒrlich ist es leicht, stellung gegen weinstein und co zu beziehen. aber wo menschen sind menschelt es kommunikation ist wohl der schwierigste bereich menschlichen daseins. es ist gesetzlich glaube ich extrem schwer, da rahmenbedingungen zu schaffen, die schĂŒtzen, aber nicht einschrĂ€nken. funktionieren kann dies in wahrheit nur durch eine mĂŒndige und gleichberechtigte gesellschaft. ein jahrhundertprojekt.

    1. @FrĂ€ulein Freud: Rechtliche Maßnahmen alleine helfen da gar nichts, obwohl es schon mal ein Fortschritt ist, wenn die einzelnen TĂ€ter wirklich zur Verantwortung herangezogen werden. Sehr wichtig ist aber auch die Erziehung der Kinder dahingehend, dass sie Respekt vor den Grenzen anderer Leute lernen. Ich bin schon der Meinung, dass man einem Kind klarmachen kann und muss, dass es Grenzen und ein „Nein“ akzeptieren muss.
      LG
      Sabienes

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