Türkische Frauen und das Kopftuchdingens – ich verstehe euch nicht

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Ich verstehe euch nicht

Das Allerwichtigste zuerst: Der folgende Artikel soll kein Türkeninnen- oder Muslima-Bashing werden.
Ich möchte auch nicht, dass mich nun irgendwelche Rechtspopulisten adoptieren.
Grundsätzlich halte ich mich an den Grundsatz, dass jeder nach seiner Fasson glücklich werden darf.
Dennoch schreibe ich diesen Artikel.
Dieser Artikel ist aus dem Gefühl entstanden, dass ich türkische Frauen nicht (mehr) verstehe.

Türkische Frauen

Gut, ich bin zwar nicht in Berlin-Kreuzberg aufgewachsen und die Anzahl von türkischen Gastarbeitern war früher in Oberbayern eher gering. Trotzdem habe ich etliche Türkinnen, zum Beispiel als Arbeitskolleginnen kennengelernt.
Unter den türkischen Frauen, die ich in den 80er und 90er Jahren kennengelernt habe, trug keine einzige ein Kopftuch.

Meine türkische Nachbarin

Ich hatte jahrelang eine türkische Nachbarin. Sie hieß Seren, war eine bildschöne Frau und hatte zwei Jungs im Alter von meinen Söhnen. Und das war natürlich toll.
Wir passten gegenseitig auf unsere Kinder auf, sprachen uns bei den obligatorischen Fahrdiensten zum Handball oder Nachmittagsunterricht ab und ärgerten uns über bestimmte Lehrer. Zwischendurch tranken wir zusammen Kaffee und stellten fest, dass im Prinzip alle Frauen auf dieser Welt die gleichen Sorgen und Nöte haben. 

Damals war zu beobachten, dass immer mehr Türkinnen ein Kopftuch trugen. Als ich Seren einmal darauf angesprochen habe antwortete sie, dass nur Zigeunerinnen so rumlaufen würden. Wie sie das genau gemeint hat, konnte ich nie ergründen.
Fakt ist, dass sie keines trug und es wäre auch echt eine Schande gewesen, eine so schöne Frau zu verhüllen.

Die Freundin der Nachbarin

Einmal lernte ich eine Freundin meiner Nachbarin kennen.
Sie erzählte mir, dass sie sich nichts sehnlicher wünschte, als einmal in ihrem Leben nach Mekka zu gehen.
So eine Reise sei aber nicht nur teuer, sondern auch mit verschiedenen Verpflichtungen verbunden. Zum Beispiel müsse man sich nach der Wallfahrt streng an die islamischen Glaubensregeln halten. Und das bedeutet halt auch, dass man als Frau ein Kopftuch tragen muss.

Ich verstehe euch nicht oder: Die leidige Kopftuchfrage

türkische Frauen Kopftuch

Eigentlich kann ich es schon verstehen, dass Muslima, die aus Ländern wie Syrien oder Irak nach Europa flüchten, ein Kopftuch tragen. Die haben ihre eigene Geschichte.
Aber warum müssen türkische Frauen, die in Deutschland aufgewachsen sind, einen Beruf ausüben, blitzgescheit sind und sogar im Fernsehen auftreten, sich verhüllen?  
„Das ist unsere Religion!“ sagen sie, wenn man sie fragt. Aber wie kam es dazu, dass alle Türken auf einmal so religiös wurden? Manche von ihnen kennen ihr Heimatland nur von Besuchen im Urlaub. Waren urplötzlich alle Türken in Mekka, weil die Flugpreise so günstig geworden sind?

Und wo bitte steht das mit dem Kopftuch im Koran? Soweit ich weiß, steht da lediglich sinngemäß, dass sich Frauen anständig kleiden sollten. (Einen interessanten Artikel habe ich dazu auf welt.de gefunden)
Und hat das Verhüllen der Haare nicht eher was mit Tradition zu tun und wäre somit weniger dogmatisch angesiedelt?

Denn seid doch mal ehrlich, ihr lieben türkischen Frauen: So ein Kopftuch ist doch unpraktisch. Es kann verrutschen und im Sommer schwitzt ihr wie verrückt.
Und besonders schön sehen die meisten auch nicht aus.

Kann mir das bitte mal jemand erklären?

Wenn türkische Frauen plötzlich ein Kopftuch tragen

Ich habe die Freundin meiner Nachbarin später einmal wieder gesehen. Inzwischen schien sie ihren Traum verwirklicht zu haben und hatte Mekka besucht. Sie trug ein Kopftuch und grüßte mich nur äußerst zurückhaltend. Von Blickkontakt war keine Spur mehr – fast, als hätte ich sie beleidigt.

Und das ist etwas, was ich an türkischen Frauen immer wieder beobachte.
Sobald sie ein Kopftuch tragen, erhascht man weder in der Kassenschlange beim Aldi noch bei anderen zufälligen Zusammentreffen einen Blickkontakt von den Mädels. (Ich wohne in Bayern, dort wäre dies durchaus üblich)
Wenn man sie bei solchen profanen Geschäften überhaupt antrifft, denn die Kopftuchfrauen gehen anscheinend geschlossen in einen türkischen Supermarkt. Man trifft sie nicht mehr beim Stadtfest oder auf dem Weihnachtsmarkt. Es wirkt, als hätten sie, als sie ihr Kopftuch angelegt haben, alles was in Deutschland gut ist, abgelegt.

Mit dem Kopftuch alleine ist es auch nicht getan. Meistens geht damit auch ein Kleidungsstil einher, der alle nach islamischer Denkweise unsäglichen (also erotisch anregende) Körperteile verhüllt.
Zum Beispiel die Unterarme.
Oder das linke Ohrläppchen.

Das Patriachat strikes back

Für mich hat in dieser Frage das Patriachat voll zugeschlagen. Das geschah womöglich durch eine sanfte, aber subtile Gehirnwäsche, die vielleicht nicht einmal vom Ehemann oder Vater oder Bruder hat ausgehen müssen.
Das funktioniert vielleicht nach einer ähnlichen Methode, die uns auch dazu verleitet, ein bestimmtes Waschpulver zu kaufen. Oder uns ein „Arschgeweih“ tätowieren zu lassen. 
Wahrscheinlich liegt dem Ganzen so eine Art gesellschaftlicher Zwang zu Grunde. Damit würde aber das Kopftuch und das ganze Drumherum dazu aus dem Bereich der religiös geprägten Tradition in Richtung Mode triften. Und könnte sich damit auch wieder ganz schnell ins Gegenteil verwandeln. 

Wie dem auch sei, es ist natürlich praktisch für die Männer. Denn damit haben sie einen netten Grund, jede Frau respektlos zu behandeln, die nicht konform gekleidet ist. 

Für mich ist dieses Kopftuchdingens samt aller anderen Kleidungsvorschriften eine Maßnahme zur Unterdrückung der Frau. 
Freie Frauen tragen das, was sie wollen.

Zusammen Kaffee trinken

Meine türkische Nachbarin ist vor einigen Jahren weggezogen und ich habe leider keinen Kontakt mehr zu ihr.
Ich hoffe, dass Seren immer noch ohne Kopftuch auskommt.
Egal, was sie trägt, so würde ich mich sehr freuen, wenn wir zusammen einen Kaffee trinken würden. 

Alle Fotos: Türkische Frauen und das Kopftuchdingens – ich verstehe euch nicht ©frau-sabienes.de
Text: Türkische Frauen und das Kopftuchdingens – ich verstehe euch nicht ©frau-sabienes.de

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38 Kommentare

  1. Liebe Sabine!

    Da hast du dich aber an ein Thema herangewagt – sieht/liest man nicht oft.
    Dein Blogbeitrag hat mir sehr gut gefallen. Du hast dich mit dem Thema auseinandergesetzt, das sieht man vor allem an deiner klaren Argumentation. Es war eine Freude ihn zu lesen.

    Zum Thema: interessant wäre es, ob auch die Damen, welche ein Kopftuch tragen – aber eben nicht in den Medien pro Kopftuch auftreten – darüber denken.
    Vor allem wäre interessant Damen zu befragen, die eben kein Kopftuch tragen, diese scheinen in der medialen Öffentlichkeit nicht auf. Das führt dazu, dass man das Kopftuch automatisch mit Damen aus „islamischen“ Staaten verbindet.

    Auf jeden Fall finde ich es mutig von dir, dass du dich mit dem Thema auseinandergesetzt hast.
    Schöne Grüße aus Linz
    Tomi

    1. @Tomi: Danke für dein Lob.
      Ob mir heutzutage eine Türkin ohne Kopftuch von ihren Erfahrungen berichten würde? Würde sie sich dadurch nicht eine unverzeihliche Blöße geben?
      LG
      Sabienes

  2. Ich weiß auch nicht, was sich verändert hat. Von Veränderungen lese ich meistens und das führte wiederum dazu, dass ich besser hinschaue. Mein persönliche Wahrnehmung taugt nicht für eigene Bewertungen. Mir sind im Beruf meistens muslimische Frauen ohne Kopftuch begegnet. Das waren Türkinnen, Palästinenserinnen und Marokkanerinnen. Es waren nicht nur junge Frauen, sondern manchmal auch in meinem Alter. Sie trugen alle keine Kopftücher. So lange liegt das nicht zurück. ich habe heute noch Kontakte. An der Kleidung hat sich bei diesen Frauen bisher nichts verändert.

    Meine Frau hatte in ihrem Betrieb eine junge türkische Frau als Praktikantin. Sie war trotz ihres jungen Alters nicht nur immer mit Kopftuch unterwegs, sondern trug – selbst im Sommer – einen Mantel (!). Meine Frau fand das Mädchen sehr nett, sie kamen sehr gut miteinander klar. Aber in einem Bekleidungsgeschäft war das nicht der Bringer.

    Meine Frau und ich laufen abends immer unsere Runde. Wir leben in einem kleinen Dorf. Hier wohnen einige Türken und inzwischen auch Flüchtlinge. Vorgestern abend begegneten uns zwei sehr junge Türkinnen. Wir haben uns gegenseitig freundlich begrüßt (so ist das hier übrigens meistens – ganz unabhängig, woher man ursprünglich gekommen ist) und gingen weiter. Ich sagte zu meiner Frau, dass die beiden Mädchen uns gegrüßt hatten, läge bestimmt daran, dass sie dabei gewesen ist. Ich glaube nicht, dass sie mich allein gegrüßt hätten. Auch, wenn ich zuerst gegrüßt hätte – was ich übrigens fast immer mache. Einige Zeit später trafen wir die beiden Mädchen mit Kopftüchern erneut. Eine meinte: „Wenn wir uns noch einmal treffen, müssen Sie einen ausgeben“. Wie man das so sagt. Es mag komisch klingen. Aber mir hat diese kleine Begebenheit gut gefallen. Auch, weil ich das, ehrlich gesagt, nicht erwartet habe.

    1. @Horst: Eine schöne Anekdote, die du da erlebt hast!
      Eine Verkäuferin mit Kopftuch im Bekleidungsgeschäft? Das stelle ich mir schwierig vor.
      LG
      Sabienes

  3. Hey,
    das ist ein grosses Thema und ich finde es klasse, dass du es so ansprichst. Da ich mit Jugendlichen arbeite, habe ich einige der jungen Frauen schon oft das Gleiche gefragt: Warum tragt ihr ein Kopftuch und oder warum wollt ihr es beginnen zu tragen, sobald ihr verheiratet seid?
    Die Antworten sind für mich skurril. „Weil ich dann einen Mann habe und andere Männer nicht mehr nach mir sehen sollen“ und oder „Wenn ich mich dazu entschieden habe, dann werde ich es immer tragen und es ist gut so“- Antworten mit denen ich nicht viel anzufangen weiß.
    Junge Mädchen- hübsch, zart- und trotzdem verhüllt.
    Ich kann es ebenso wenig verstehen und ich habe lange und oft darüber gesprochen. Angefangen von den Argumenten wie Schwitzen, schädlich für die Haare, bis hin zur Frage: Was ist der wirkliche Grund dahinter- ich kann es ebenso wenig verstehen wir du.
    Nichts desto trotz akzeptiere ich die Entscheidung- jedoch weiss ich auch, dass ab dem Zeitpunkt des Kopftuches, das Verhalten in der Gesellschaft ein anderes wird- wie du schon schreibst- Verhaltend und zurückhaltend.
    Liebe Grüße!

      1. @kiko: Naja, man muss aber nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Hässliche und Dicke sollten sich auch nicht verhüllen.
        LG
        Sabienes

      2. Doch natürlich, verhüllen darf sich jeder und ich würde keinen Menschen als hässlich bezeichnen. Viele der jungen Frauen haben diesen schönen Teint, tolle lange dunkle Haare- und da tut es mir irgendwie leid, dass sie ihre Schönheit verstecken möchten.
        Mein Satz mit hübsch und zart…- wie du es auslegst, sollte so sicherlich nicht gemeint sein wie du es wohl verstanden hast.
        LG

    1. @shadownlight: Ich vermute, dass dir die wenigsten stichhaltige Gründe geben können. Der Verweis auf die Religion ist ja immer so ein Totschlagargument. Gut, wenn der Mann dann Ruhe gibt und nicht mehr eifersüchtig sein muss, dann ist das vielleicht eine schöne Motivation.
      Trotzdem.
      Mir gefällt das nicht.
      Und das muss es auch gar nicht. Aber ich würde es gerne verstehen.
      LG
      Sabienes

      1. Ach ich habe so viel darüber gesprochen, weil ich es auch nicht verstehen kann. Jedoch, wenn die Mädchen damit glücklich sind, was soll ich machen. Mir wird auch immer wieder gesagt: „Du verstehst das nicht…“
        und sie haben Recht.
        Aber gut, es ist eine andere Art zu leben und zu glauben und wenn man wirklich damit glücklich ist, dann soll es so sein.
        LG

  4. Meine Mutter hat vor 16 Jahren für sich entschieden ein Kopftuch zu tragen. Von ihr habe ich gelernt, daß das Kopftuch auch zu hübscher Kleidung getragen werden kann. Ich finde es beängstigend, wenn Frauen sich damit so kleiden, daß sie düster und unnahbar wirken. Dabei gibt es auch absolut schicke Kopftücher, die zur Kleidung passen. Meine Mutter hat noch immer ihre alten Freundinen von früher.

    1. @Lydia: Stimmt. Es gibt Muslima, die kombinieren die tollsten Kreationen in schönen Farben. Aber bei Türkinnen sehe ich das eher selten.
      Warum nur?
      LG
      Sabienes

  5. Hallo Sabiene!
    Ein starkes Thema!

    Ich zitiere:
    „Ein Gebot für die muslimische Frau, ihren Kopf zu bedecken, leiten viele Muslime aus dem Koran ab (Sure 24, Vers 31 sowie Sure 33, Vers 53 und 59).[3] In dieser Suren ist die Rede von einem – nicht näher definierten – Kleidungsstück, das sich die Muslima über ihren Oberkörper legen soll, sodass sie „als Gläubige erkannt und nicht belästigt wird“
    ______________

    Wer solch ein Gebot so versteht, dass Frauen sich verhüllen müssen, kann nur wenig oder gar kein Selbstwertgefühl haben!
    Männer dokumentieren nur so ihre Besitzverhältnisse. Außerdem erklären sich mir nur solche „Gebote“ , als dass Männer ihre „Bedürfnisse“ nicht im Griff haben, denn sonst kämen sie auf nicht solche Gedanken!

    Liebe Grüße

    Anne

    1. @Anne: Eine starke Ansicht, die ich mit dir teile. Auch wenn das vielleicht nicht immer und überall die Hauptmotivation sein wird.
      LG
      Sabienes

  6. Ich komme ja auch aus Bayern, und lebe nahe der Hauptstadt. Und mir fällt Ähnliches auf. Wobei ich bisher noch keinen Wandel bei mir bekannten Türkinnen mitbekommen habe. Ich weiß, dass es eine Cousine meines Mannes (Türke) gibt, die sich vor einigen Jahren wohl plötzlich dazu entschlossen hat, Kopftuch zu tragen. Ich kenne sie nicht, sie lebt in der Türkei. Und da ist es tatsächlich so, dass sich die gesamte Verwandtschaft wundert, warum sie das getan hat. Sie sind halt sehr westlich in der Einstellung.
    Was ich mir allerdings vorstellen könnte, ist das bei manchen auch ein gewisser Trotz in dieses Verhalten mit hinein spielt. Ich sehe das zum Beispiel an manchen Türken in unserem Umfeld, die eigentlich gegen Erdogan sind, die es aber gewaltig stört, dass die Türkei und der Islam plötzlich so in der Kritik stehen. Obwohl sie nicht sonderlich gläubig sind, fühlen sie sich angegriffen und verteidigen plötzlich Dinge, über die sie kürzlich noch selbst gewettert haben. Da musste ich in letzter Zeit leider nicht nur einmal verwundert die Stirn runzeln.

    Schöner Beitrag (wie meistens)!
    LG, Tina

    1. @Tina: Danke für deinen Bericht! Diese Trotzreaktion mancher Türken kann ich nachvollziehen – auch wenn das natürlich bescheuert ist. Aber klar, der Islam gehört zur Zeit nicht unbedingt zu den Lieblingsreligionen dieser Welt.
      LG
      Sabienes

  7. Liebe Sabienes,
    ui ui ui, da hast du dir aber ein brisantes Thema ausgesucht. Ich arbeite als Sozialpädagogin in einem Bereich, der täglich mit Migranten/innen zu tun hat. Außerdem wohne ich im Rhein/Main-Gebiet und die Türken stellen die größte Migrantengruppe in Wiesbaden und außerhalb dar. Ich kaufe ebenfalls in türkischen Supermärkten ein und esse oft und gerne beim Türken nebenan. Meine türkischen Arbeitskolleginnen erklärten mir, dass das tragen des Kopftuchs oft mit der Herkunft und der Bildung zusammenhängt. Viele Gastarbeiter kamen aus sehr ländlichen Gebieten nach Deutschland und versuchten ihre Tradition hier aufrecht zu erhalten. In Istanbul und anderen Großstädten sieht man kaum türkische Frauen mit Kopftuch (Bildung usw.) Und…was das ganze nun verstärkt, ist der liebe Herr Erdogan. Er predigt den Türken in Deutschland, die muslimische Tradition wieder verstärkt zu leben. Das ist natürlich ein Rückschritt für das große Thema Integration. Ich könnte jetzt noch viel mehr darüber schreiben, das Thema ist ist heikel und komplex zugleich.

    Liebe Grüße
    Hanuki

    1. @Hanuki: Stimmt. Viele Frauen kommen aus Hinter-Anatolien, haben eine schlechte Bildung und sind noch sehr von ihrer Lebensweise dort geprägt. Aber wie ist das mit den Frauen, die hier geboren sind, studiert haben und arbeiten? (Manche können gar nicht so richtig gut Türkisch, weil sie die „alte Heimat“ nur im Urlaub sehen) Ich sehe immer mehr, dass auch solche Frauen ein Kopftuch tragen.
      Und das verstehe ich nicht.
      LG
      Sabienes

  8. Wespennest. Ich finde es aber bezeichnend, wie auf Facebook nur auf die Autorin eingehackt wird…weil genau darum geht es doch eigentlich: wir laufen Gefahr, den Draht zueinander zu verlieren. Auch ich verstehe Kopftuchträgerinnen nicht, es ist in meinem Augen ein Rückschritt. Wie gesagt – in meinen. Ich bin keine Muslima, ich weiß nicht, was dieses Tuch für sie bedeutet und ob das für sie ein Fortschritt ist, mehr Freiheit bedeutet, whatever. Ich würde es aber gerne erfahren. Im Dialog – klarmachen, wie ich es empfinde und sie könnten mir erklären, wie sie es sehen – und niemand würde jemand anderem etwas verbieten, sondern voneinander lernen und Verständnis zeigen – aber das ist wohl out…

  9. Hallöchen Sabine,

    ein wirklich guter Artikel zu einem sehr heiklen aber auch aktuellem Thema! Allerdings verstehe ich die Aufregung über Kopftücher ganz und gar nicht, habt ihr mal an eure Großmütter gedacht? Schaut euch doch bitte mal entsprechende Bilder von früher an, das war sogar modern!

    Selbst meine eigene Mutter hat bei der Arbeit auf dem Acker teilweise ein Kopftuch getragen und ich finde dabei auch kein einziges Argument, welches gegen ein Kopftuch spricht. Und nein, keine muslimische Abstammung, sondern aus Rheinland-Pfalz mit norwegischen Vorfahren!

    Denkt mal darüber nach.

    Grüße aus Augsburg

    Mike

  10. Hallo Mike!
    Es stimmt wohl, dass unsere Mütter und Großmütter Kopftücher trugen, aber niemand zwang sie dazu. Sie wurden bei Nichttragen auch nicht verfolgt und bestraft. Kopftücher waren damals in erster Linie einfach nur ein Kopfschutz vor dem Staub auf den Feldern. Später sicherlich eine Modezusatz, aber NIEMALS ein GEBOT!!!

    Gruß

    Anne

    1. Hallo Anne,

      also in meinem direktem Umfeld wird soweit mir bekannt keine Muslima zum Kopftuch gezwungen. Auch die Burka, den Niqab oder ähnliches sehe ich hier äußerst selten und hier leben einige Muslime!

      Will man denn nun auch mir meine Basball Cap und meine Spiegelbrille verbieten, oder was? Im Fasching laufen wir dann alle nackig herum, es herrscht ja Vermummungsverbot!

      Sorry, aber solch eine Denke tut mir einfach nur noch weh!

      Mike

      1. Hallo Mike,

        du redest an Anne vorbei – hier das Tuch als Schutz vor Staub und Sonne (auch meine Erinnerung an Frauen auf dem Feld), da die Beteuerung daß kein Zwang der Gesellschaft vorliege das Tuch zu tragen…

        Vor 15 Jahren traf ich bei der Schwangerschaftsgymnastik eine junge Türkin; hochintelligent, bildhübsch, „rotzfrech“, Mutter von bereits zwei Kindern. Tolle schmale Figur, immer schick gekleidet, frisiert und geschminkt; Job in einem angesagten Klamottenladen, kutschierte die älteren Söhne immer zum Fußball und Boxen.

        Zwei Jahre später sah man sie nur noch mit langem Mantel und Kopftuch verhüllt. Lief an den Hauswänden entlang mit gesenktem Blick, drauf bedacht die volle Einkaufstasche schnell nach Hause zu bringen. Kein Blick und kein Gruß mehr für alte Bekannte die keine Türken waren. Kein Auto, kein Job…

        Das soll jetzt freiwillig sein? Aus Überzeugung? Klar darf man bei uns (!) in großem Rahmen machen was man will – aber wer soll glauben daß diese Frauen das freiwillig tun?
        Sorry, das kann ich nicht nachvollziehen.

        Gruß von Andrea

  11. Sabine, ein wirklich toller Artikel.
    Es hört sich wohl ganz blöd an, aber bis ich aus der Grundschule raus, un umgezogen war, kannte ich kein weibliches Wesen, das Kopftuch trägt. Meine Mutter hat mit sehr vielen muslimischen Frauen, nicht nur Türkinnen, gearbeitet und davon hatte keine Kopftuch (außer an Maschinen zur Sicherheit 😉 )
    Auch immer jüngere Kinder sieht man inzwischen mit Kopftuch, dabei finde ich persönlich, wenn ein Mann ein „Mann“ ist, dann sollte er doch auf seine Frau, und Töchter stolz sein…auch auf deren schöne Haarpracht und Figur.
    Solange sich jemand damit wohl fühlt, ist es ja ok. Aber bei Einigen merkt man schon, es ist ihnen peinlich (wie Du schon geschrieben hast, fehlender Blickkontakt und Abgrenzung).

    Ganz lieben Gruß, Moni

  12. Ich antworte dir mal ausführlich auf deinen Text.
    Ich zitiere immer deine Sätze dazu um es im Kontext verständlich zu machen.

    „Als ich Seren einmal darauf angesprochen habe antwortete sie, dass nur Zigeunerinnen so rumlaufen würden. Fakt ist, dass sie keines trug und es wäre auch echt eine Schande gewesen, eine so schöne Frau zu verhüllen.“

    Um erst ein mal festzustellen, diese Aussage stammt von deiner Nachbarin als eine Aussage, die du nicht verstanden hast aber trotzdem mit aufführst?
    Dass du zusätzlich das Tragen eines Kopftuches als „Schande“ bezeichnest finde ich unsensibel den Frauen gegenüber, die sich freiwllig bereit erklären ein Kopftuch zu tragen. Denn eines der Gründe des Kopftuches ist ja nun mal auch die Schönheit durch das bekennende Tragen nicht öffentlich zur Schau zu stellen!

    „Aber warum müssen türkische Frauen, die in Deutschland aufgewachsen sind, einen Beruf ausüben, blitzgescheit sind und sogar im Fernsehen auftreten, sich verhüllen?
    „Das ist unsere Religion!“ sagen sie, wenn man sie fragt. Aber wie kam es dazu, dass alle Türken auf einmal so religiös wurden? Manche von ihnen kennen ihr Heimatland nur von Besuchen im Urlaub. Waren urplötzlich alle Türken in Mekka, weil die Flugpreise so günstig geworden sind?“

    Du vermischt hier das Heimatland mit einer Religion dessen Anhänger aus mehr als 1 Milliarde Menschen bestehen. Was hat denn das Land mit der Religion zu tun? Es gibt auch Deutsche Muslima die sich verhüllen. Die Fragestellung empfinde ich als enorm polemisch und schlecht. Und was mir vor allem sehr negativ auffällt ist, dass du hier „Türken“ als Synonym für die Fernöstliche Frau benutzt die dem islamischen Glauben angehört.

    „Denn seid doch mal ehrlich, ihr lieben türkischen Frauen: So ein Kopftuch ist doch unpraktisch. Es kann verrutschen und im Sommer schwitzt ihr wie verrückt.
    Und besonders schön sehen die meisten auch nicht aus.
    Kann mir das bitte mal jemand erklären?“

    Wer hat denn behauptet, dass ein Kopftuch für dich schön aussehen soll? Und wer sagt, dass man darunter nicht schwitzt und leidet? Seit wann muss überhaupt eine Sache die man aus Überzeugung tut komfortabel sein?

    Weiter heißt es in deinem Text

    „denn die Kopftuchfrauen gehen anscheinend geschlossen in einen türkischen Supermarkt. Man trifft sie nicht mehr beim Stadtfest oder auf dem Weihnachtsmarkt. Es wirkt, als hätten sie, als sie ihr Kopftuch angelegt haben, alles was in Deutschland gut ist, abgelegt. “

    Ernsthaft jetzt? „Kopftuchfrauen“ gehen anscheinend geschlossen in einen türkischen Supermarkt? Was redest du denn dafür einen kompletten bullshit? Ich sehe tagtäglich etliche kopftuchtragende Muslima in normalen DEUTSCHEN Supermärkten einkaufen. Was geht es dich überhaupt an wer wo einkaufen geht? Wer bist du, dass du dir anmaßen darfst darüber zu berichten wer wo einkaufen geht? Wir leben in Deutschland und genießen ein freiheitlich-demokratisches Zusammenleben in einer Gesellschaft in der die soziale Marktwirtschaft die Wirtschaftsordnung darstellt. Auf einem freien Markt kann jeder da einkaufen wo er einkaufen möchte. Oder muss ich jetzt besonders hervorheben, dass Veganer ja gar nicht mehr bei REWE einkaufen sondern nur noch in speziellen Veganer-Supermärkten. Wow wie schlimm?!
    Und abgesehen davon, in einem türksichen Supermarkt laufen auch Männer rum. Und nein, es gibt auch muslimische Männer die die Traditionen des Islams nicht beachten.

    Findest du wirklich, dass ein Stadtfest und ein Weihnachtsmarkt das ist was in Deutschland als „gut“ bezeichnet werden kann? Ich finde nicht! Und abgesehen davon verpflichtet auch nichts dazu Weihnachtsmärkte oder Feten und Feiern zu besuchen!

    „Wie dem auch sei, es ist natürlich praktisch für die Männer. Denn damit haben sie einen netten Grund, jede Frau respektlos zu behandeln, die nicht konform gekleidet ist.
    Für mich ist dieses Kopftuchdingens samt aller anderen Kleidungsvorschriften eine Maßnahme zur Unterdrückung der Frau.
    Freie Frauen tragen das, was sie wollen.“

    Hast du persönlich oft islamisch geprägte Respektlosigkeiten von muslimischen Männern ertragen müssen?

    Negativ-Schlagzeilen sind natürlich sehr viel präsenter als positive.
    Niemand würde jemals berichten „Karim, 43 jähriger Syrer behandelte seine muslimische Frau Fatima heute besonders gut und hat ihr einen Wochenendtrip incl. Einkauf im türkischen Supermarkt geschenkt“
    Wenn für dich das „Kopftuchdingens“ was einigen sehr wichtig ist, ein Symbol der Unterdrückung ist, dann darfst du das gerne so empfinden. Es gibt aber Menschen denen du das Recht nicht absprechen solltest es tragen zu dürfen. Und JA FREIE FRAUEN TRAGEN WAS SIE WOLLEN – Dazu gehört auch ein Kopftuch wenn sie es wollen!

    Nun ein paar eigene Worte ohne direkten Bezug zu deinem Text.
    Die Muslima als eine Vorzeigbare gibt es so nicht! Aus der Glaubensgemeinschaft des Islam sind viele verschiedene Gruppen entsprungen die innerhalb der Gruppierungen sogar noch verschiedene Rechtsschulen beinhalten. So kann es sein, dass es bspw. innerhalb der größten Gruppe der „Sunniten“ noch mal verschiedene Meinungen als legitim gelten. Hier gelten beispielsweise auch die Auslegungen der großen sogenannten Rechtsschulen. Der Islam besteht nicht nur aus Koran sondern auch der sogenannten Sunnah = Eine Ansammlung von Überlieferungen über die Lebensweise des Propheten. Dabei geht es um ganz einfache Dinge die fast bedeutungslos erscheinen bis hin zu komplexen Fragen.

    Der Grundsatz des Islam ist trotzdem immer, dass man sich selbst belesen muss und sich zu allen Religionstexten auch Informationen beschaffen muss um diese zu verstehen.

    Ich finde generell toll wenn sich Menschen kritisch mit Religion auseinander setzen aber daraus eine reine Polemik zu machen finde ich unsensibel.

    Viele herzliche Grüße
    David

  13. Hallo 🙂
    Wow. da hast du dir aber ein schweres Thema herausgepickt.

    Mein erster Gedanke zu deinem Text war: Jaja, die Provinz 😀
    Ich wohne mittlerweile in Mainz, habe vorher in Plauen im Vogtland gewohnt und davor bin ich im Westerzgebirge aufgewachsen (70km nach Hof). Dort sind die Menschen ähnlich wie in vielen Teilen Bayerns. Das ist gut, ich liebe diesen Menschenschlag. Aber sie sind auch zu so vielen Dingen verschlossen oder ihnen gegenüber skeptisch, weil sie viel länger in ihrem eigenen Saft schmoren durften als Großstädter.

    Der zweite Gedanke ging dann näher auf dein Thema ein: Jede Religion hat doch ein Symbol, das in keiner Schrift als Befehl zur Kleiderordnung steht. Bestes Beispiel sind Christen. Warum tragen viele ein Kreuz um den Hals oder manche, die etwas krasser rauf sind, flechten ihre Zöpfe und tragen lange Röcke. Ist das nicht das Gleiche? Lass sie einfach machen. Sie haben es sich meistens selber ausgesucht.

    Das Zitat mit den Zigeunern deiner Nachbarin, habe ich auch schon gehört. Vielleicht sollte man da mal nachforschen, was es damit auf sich hat – bestimmt eine alte Denkweise.

    Übrigens – und da sind wir wieder in der Provinz – begegne ich in Mainz sehr vielen verhüllten Moslems. Und sie sind immer sehr aufgeschlossen und freundlich. Ja, es gibt auch schüchterne Mädels, aber nur weil ich kein Kopftuch trage, bin ich ja nicht gleich extrovertierter. Ich denke wenn, dann liegt es an der Gegend. Dass manche den Blickkontakt meiden, weil sie es leidig sind darauf angesprochen zu werden, oder die angewiderten Blicke zu spüren. Glaub mir, ich war in der Nazi-Provinz Nummer 1 in Deutschland. so etwas formt.

    Es kommt übrigens immer darauf an, wie man mit den Leuten spricht. Ich glaube in Deutschland kommt es ihnen recht oft vor, dass sie auf ihr Kopftuch angesprochen werden. Und meistens hat das keine gute Absicht oder einen sturen Kopf dahinter. Da würde ich auch sagen: „Meine Religion verlangt das. Punkt.“ Wer wirklich Interesse hat, hakt noch einmal nach.
    Ich selbst bin Christ und Gothic – ja das schließt sich nicht aus. Wenn mich Gruftis danach fragen, wie es dazu kam, erzähle ich gerne, denn diese Menschen sind immer sehr freundlich und ehrlich. ABER: Fragen mich Christen, warum ich Gothic bin, blocke ich ab. Oft sehe ich schon die Ablehnung in ihren Augen. Man muss schon ein wenig erst ins Gespräch kommen.

    Außerdem… was ist denn das Herkunftsland der Moslems? Was ist denn das Herkunftsland der Christen? Was ist denn das Herkunftsland der Juden? … die meistens Religionen verteilen sich mittlerweile über die ganze Welt. Die Christen waren die Ersten. Denn eigentlich gehören wir auch nicht nach Deutschland. Hätte man uns so behandelt, wie wir aktuell alle Moslems, dann würden wir heute noch Ziegen an einen Heidnischen Gott opfern 😉

    Weißt du, was ich am beeindruckendsten finde? Viele Moslems kennen die jüdisch/christliche Schrift beinahe auswendig. So können sie im Gespräch mit einem „religiösen Feind“ perfekt Kontern. Der normale Christ aus Deutschland weiß oft nicht seine Thesen mit Bibelzitaten zu belegen.

    ______Fazit_______

    Ja, ich verstehe das Kopftuchding auch nicht. Aber genauso wenig verstehe ich die Mädels mit 2 Kilo Schminke im Gesicht. Oder den Typen, der sich als Mädchen kleidet. Oder die Leute die man jeden Montag in Dresden trifft. Oder Menschen, die alles, was anders ist ablehnen. Oder die, die sich von oben bis unten tätowieren lassen. Oder meine Familie, deren größter Wunsch es ist, irgendwann wieder zurück ins Dorf zu kommen….

    Aber muss ich sie verstehen? Ich verlange es zumindest von niemandem, dass er versteht, warum ich so bin, wie ich bin. Ich möchte nur akzeptiert und ganz normal – ohne doofe Fragen – behandelt werden. Und das bringe ich jedem anderen auch gegenüber. Ich brauche es nicht verstehen, wenn du nett bist und es mir nicht weh tut, dann ist jeder Mensch willkommen.

    Liebe Grüße > sara

    1. @Sara: Mainz ist ja gar nicht mehr so weit von dem Ort, an dem ich nun wohne (südlich von Aschaffenburg). Aber anscheinend gibt es zwischen diesen beiden benachbarten Regionen große Unterschiede. Sind da die Bayern mit verantwortlich oder so? 😉
      Mir gefällt dein Plädoyer, mit dem du die verschiedenen Religionen in Relation setzt.
      Und du hast Recht. Es gibt vieles, was man nicht versteht. Vielleicht stelle ich mal eine ähnliche Frage zum Thema Tätowierungen – das verstehe ich nämlich ab einem bestimmten Punkt auch nicht mehr.
      LG
      Sabienes

  14. @ David: Ja, ich habe im Schwimmbad Respektlosigkeiten von islamischen Männer ertragen müssen, obwohl ich bereits 57 bin und dick. Ich wollte nur schwimmen, aber dieses Jungmännerrudel hat mich nicht in Ruhe gelassen. Ich geh nicht mehr in diese Schwimmbad. Leider ist es kein Bad, das von der Stadt betrieben wird, sondern von einem Verein und es gibt nur Rettungsschwimmer, die nicht für die Sicherheit zuständig sind.
    Und ich bin auch der Meinung, das Kopftuch ist ein Instrument, um Frauen zu markieren und einzuschüchtern und lehne es ab. ich habe jeden Tag im Beruf mit Kopftuchträgerinnen zu tun und sie werden von mir immer mit Respekt behandelt wie alle Menschen, denn ich lehne nicht die Menschen ab. Im Übrigen möchte ich die Frage stellen, ob nicht einige dieser Frauen auf uns „Ungläubige“ herabsehen. Aber ich glaube, es gibt viel Zwang und Leid in dieser Kopftuchgeschichte und viele wollen das gar nicht, müssen aber. Ich finde es super, das Frau Sabiene so mutig ist, ihre Gedanken dazu hier im Blog zu veröffentlichen! Und ich würde gern wissen, was David hier in Deutschand gut findet. Grüße von Sabine

    1. @Sabine HB: Was ich so gehört habe, kann es tatsächlich vorkommen, das Muslime auf „Ungläubige“ herabsehen. Ich weiß aber nicht, ob das nicht auch ganz einfach eine Frage des Charakters ist. Und ich weiß nicht, wie häufig dass da vorkommt.
      LG
      Sabienes

  15. Es ist mir egal, ob die Frauen ein Kopftuch tragen.
    Genauso wie es mir egal ist, dass meine deutschen Nachbarinnen Kopftuch tragen. Sie tun es als Schutz oder damit im Cabrio die Frisur nicht zerstört wird.
    Warum muss man das Thema so polemisieren?

    Es ist ein Kleidungsstück – nicht mehr und nicht weniger. Ich würde nie jemanden fragen, warum er so was trägt. Es ist sein/ihr Ding und gut ist.

    Man kann wirklich in allem einen Hintergrund – religiös, politisch, sexuell – vermuten.

    Ich trage übrigens gerne schwarze Socken. Bin ich nun noch in Trauer um meinen verstorbenen Mann, gehöre ich zur dunklen Szene oder passt es einfach zu meiner restlichen Kleidung?…

    Freundliche Samstagsgrüsse
    Susi

  16. Ich habe in einem der vorigen Kommentare gelesen, dass das tragen von Kopftüchern früher keine Pflicht gewesen sei. Da bin ich anderer Meinung. Zumindest in der Kirche, die früher regelmäßig besucht wurde, war das bedecken des Kopfes bei der Frau Pflicht. Ansonsten wurde sie aus der Kirche gewiesen. Das habe ich, Jahrgang 1964, sogar noch erlebt. Und zwar in einer Großstadt in den 70ern. Zudem war es bis weit in die 1960er Jahre üblich, dass Frauen mit Kopftuch oder Hut auf die Straße gingen. Das änderte sich erst bei den jungen Frauen in den 70ern, als die Emanzipation anfing zu greifen und sich die Frauen von den Traditionen losmachten. Meine beiden Großmütter waren da schon weiter und wurden deswegen des öfteren angefeindet.

    1. @Jost: Ich bin Jahrgang 59 und ich kenne niemand, der in Deutschland (auch nicht in Bayern) in der Kirche ein Kopftuch getragen hat.
      Meine Großmütter haben ein Kopftuch getragen, wenn sie auf dem Feld gearbeitet haben. Meine Mutter hat eines getragen, damit bei hoher Luftfeuchtigkeit die Dauerwelle nicht krisslig wird.
      LG
      Sabienes

  17. Ein gegenwärtiges Thema und herzlichen Dank, Sabine, das Sie den Mut haben es aufzugreifen.
    Viele Meinungen, viel Wahres aus Erfahrungen der Kommentierenden. Ja, Frauen haben in der Kirche ihren Kopf bedeckt zu halten – von Paulus gefordert, nicht von Jesus – das war lange Pflicht in – ja, männerdominierten Kirche – hier und da gerne getragen und respektiert, von älteren Damen. In den 1930 bis 70er Jahren
    konnten die Kirchgängerinnen ihren Hut ausführen, manchmal so gross, das man in der Kirche den Pfarrer nicht sah. Die Diskussionen nach der Messe galt auch oft den Hüten und des Mantels, nicht der Predigt. Das änderte sich, auch konnte man in Jeans zur Messe gehen, wie wohltuend.

    Kopftücher hatten viele Funktionen, in der Landwirtschaft als Schutz, Friseure waren unerschwinglich, es gab wenig Badezimmer mit warmen Wasser zum Waschen, Fönfrisuren
    gab es noch nicht, die Haare wurden aufgedreht auf Lockenwickler, zeitraubend, also ein hübsches Kopftuch, Haaransatz freibleibend, umrahmte das Gesicht.

    Im Audrey Hepburn Style, chic im Auto, aus Seide oder feinem Material, Haaransatz freibleibend – ein Modetrend.

    Kopftuch – auch ein Schutz während der Flucht im zweiten Weltkrieg und danach, vor Nachstellungen, Vergewaltigung – ein bewusstes Hässlich machen, auch das gab es

    Kopftuch – aus Hygienegründen, lange im Gesundheits- und Dienstleistungsbereich getragen,
    von Wäscherei bis Küche.

    Diese Frauen – bis auf den Krieg – lachten und arbeiteten gemeinsam, waren offen, unterstützen sich, waren soweit möglich, frei und selbstbewusst oder hatten den Traum davon.

    Von was träumen die Kopftuch-Ladies der heutigen Zeit ? Gehen sie gemeinsam den Weg
    in Frieden mit allen zu sein, das Erbe, das von den hiesigen Frauengenerationen geebnet wurde, anzutreten ? Wissen Sie, für was in diesem Land gekämpft wurde, welche Opfer
    gebracht wurden von den Frauengenerationen in Ost und West, auf dem Land, in den Städten ?

    Das Thema ist vielfältig, ernst und sollte nicht nur auf die leichtere Schulter genommen
    werden, das Grummeln im Bauch, das so manche/r verspürt, hat seinen Sinn.

    Ein friedvolles und sonniges Wochenende

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